Neues Schulfach Politik in Berlin : Mehr Unterrichtsstunden noch nicht ausgeschlossen

Auf Kosten des Faches Ethik soll es nicht gehen - das neue Fach Politik, das im Sommer 2018 startet. Erste Eckpunkte wurden jetzt benannt, aber Fragen bleiben.

Noch herrscht in Sachen "Politik" in Berlins Schulen gähnende Leere: Es kann passieren, dass ein Schüler gänzlich ohne das Fach durch die Schule kommt.
Noch herrscht in Sachen "Politik" in Berlins Schulen gähnende Leere: Es kann passieren, dass ein Schüler gänzlich ohne das Fach...Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Das neue Schulfach Politik rückt näher: Nach einer zweiten Gesprächsrunde mit Experten und Schülervertretern unter der Leitung von Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) wurde am Mittwoch Einvernehmen in einigen Punkten erzielt, wie die Bildungsverwaltung auf Anfrage mitteilte. Auf dieser Grundlage soll jetzt das Gespräch mit Vertretern der Oberschulen geführt werden, um eine verträgliche Lösung zu finden.

Zu den wichtigsten "Eckpunkten" gehört, dass Politik ab 2018/19 mindestens einstündig in Klasse 7 bis 10 an allen Sekundarschulen und Gymnasien verankert und benotet werden soll. Woher diese vier Stunden kommen sollen, ist die große Frage, die am Mittwoch diskutiert wurde: Eine Variante besteht darin, dass drei Stunden durch Abstriche an anderer Stelle – etwa bei den Profilstunden – gewonnen werden und die vierte Stunde durch eine zusätzliche Unterrichtsstunde etwa in Klasse 10 hinzukommt, wie bei der Gesprächsrunde erwogen wurde. Auch Abstriche bei den Wahlpflichtstunden sind dem Vernehmen nach noch denkbar.

Ethik wird oft fachfremd unterrichtet

Das Fach Ethik soll nicht gekürzt werden, was Berlins preisgekrönter Geschichtslehrer Robert Rauh, der sich seit langem für das Fach Politik engagiert, für falsch hält: Er plädiert dafür, Ethik auf Klasse 7/8 zu beschränken und in Klasse 9/10 Politik zweistündig anzubieten.

Im Vorfeld hatte es - insbesondere auf Seiten der Ethiklehrer - größere Sorgen gegeben, dass es bei ihrem Fach eine Stundenreduktion geben könnte. Schulleiter erklären diese Verunsicherung damit, dass das Fach in vielen Schulen den Stempel des "Laberfachs" habe, zumal es noch bei weitem nicht genug ausgebildete Ethik-Fachlehrer in Berlin gibt. Aber auch Geschichts- und Erdkundelehrer befürchteten, Politik könnte zu ihren Lasten eingeführt werden. Noch bevor sich erstmals alle Fachleute im Juni zum Gespräch trafen, meldeten sich die Fach-Vertreter im Tagesspiegel zu Wort.

Tatsächlich hatte es bei diesem ersten Treffen einige Stimmen gegeben, die dafür votierten, dass Ethik zusammengekürzt werden sollte.

Davon ist man jetzt offenbar abgekommen - zumindest nannte die Bildungsverwaltung am Mittwoch als Eckpunkt, dass "eine Kürzung des Faches Ethik nicht zur Debatte steht".

Kontingentstunden als Lösungsansatz

Allerdings wurde von einem möglichen "Modell von Kontingentstunden" gesprochen, in dem verwandte Fächer zu Blöcken zusammengefasst werden. Was das aber genau - etwas für Politik und Ethik - bedeuten könnte, ist noch unklar und soll möglicherweise auch offen bleiben, um dann gegebenenfalls von den Schulen so interpretiert zu werden, wie es ihren am nächsten kommt.

Was die mögliche Erhöhung der Stundentafel anbelangt, hatten sich die Schülervertreter zu Beginn der Debatte vor einem Jahr noch offen gezeigt - wenn bloß endlich Politik unterrichtet würde. Inzwischen hat der Landesschülerausschuss aber ein anderes Meinungsbild eingeholt, das eher gegen eine zusätzliche Stundenbelastung spricht. In den von der Bildungsverwaltung kommunizierten einvernehmlichen Eckpunkten heißt es dazu, dass "eine Stundentafelerhöhung über alle Jahrgänge vermieden werden soll". Besagte zusätzliche Stunde in Klasse 10 würde dem nicht widersprechen.

Und was sagt der Landesschülerausschuss dazu?

Das Schülergremium teilte am Mittwoch dem Tagesspiegel mit, dass es "im allgemeinen" die Position der Schülerschaft vertrete, dass "Aufwüchse aufgrund der hohen Belastung zu vermeiden sind". Allerdings sei man bereit "nochmal in einen basisdemokratischen Dialog mit den Schüler zu treten", um einen Kompromiss zu finden. Rauh rät davon ab, die Schüler stärker zu belasten.

Die Verwaltung wies am Mittwoch abschließend darauf hin, dass die Eckpunkte keine endgültige Festlegung bedeuten: Nach den Schulleitern muss sich ja auch das Abgeordnetenhaus noch mit dem Thema befassen.

Die rot-rot-grüne Koalition hatte den Vorschlag des Landesschülerausschusses, das Fach Politik verbindlich in der Mittelstufe verankern, in der Koalitionsvereinbarung aufgegriffen. Bisher ist es kein eigenständiges Pflichtfach und wird nur in der Oberstufe benotet.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben