Neues Stadtquartier : Bald hoch hinaus am Hauptbahnhof

Baustart für das Quartier Heidestraße steht bevor. Auf einer Fläche drei Mal so groß wie der Potsdamer Platz entstehen Wohnungen und Gewerbebauten. Nutzer für den ersten Bau gibt es schon.

Ralf Schönball
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Im kommenden Jahr soll bereits mit dem Bau der ersten Blöcke im neuen Stadtquartier Heidestraße begonnen werden. Dies bestätigte der Berliner Geschäftsführer der Vivico, größter Grundstückseigentümer auf dem 40 Hektar großen Areal, dem Tagesspiegel. Gleichzeitig beschloss der Senat gestern den Masterplan für das Gebiet. Das soll mit rund 600 000 Quadratmetern Büro- und Wohnfläche drei Mal so groß werden wie der Potsdamer Platz. Dem Plan zufolge sollen auf einem Drittel der Fläche, überwiegend entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, Wohnungen entstehen.

Einen „herausragenden Standort der Innenstadt“ nannte die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer das Quartier Heidestraße. Mit der Verabschiedung des Masterplans stünden die Leitlinien und Entwicklungsziele eines „Gebietes von gesamtstädtischer Bedeutung“ fest.

Berliner Bauprojekte
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Der Masterplan ist die Voraussetzung für die Erteilung von Genehmigungen für den Bau von Häusern in dem Quartier. Die erste Genehmigung ist bereits in Arbeit: Auf dem Europaplatz am südlichen Ende des Areals sollen Gebäude mit einer Nutzfläche von 60 000 Quadratmetern entstehen – das entspricht fast der Fläche des Kaufhauses KaDeWe. „Es gibt einen Interessenten für dieses Projekt“, sagte der Berliner Vivico-Chef Henrik Thomsen auf Anfrage. Wer das ist, will er nicht verraten. Aber das Interesse ist offenbar so groß, dass schnell gehandelt werden soll: „Wir möchten nächstes Jahr anfangen zu bauen“, so Thomsen weiter. An der Baugenehmigung arbeite die Vivico zusammen mit dem Senat und dem Bezirk Mitte. Die Kooperation laufe reibungslos, versichert der Projektentwickler.

Auch Senatorin Junge-Reyer sagte bei der Vorstellung des Masterplans: „Die Initialzündung zur Entwicklung des Gebietes wird von Süden aus erfolgen.“ Im Süden des Baugebietes befindet sich neben dem Europaplatz auch der sogenannte Kunstcampus. Dieser schließt an den Hamburger Bahnhof an. Der Grundstein wurde mit den Rieckhallen und der Sammlung Flick gelegt, weitere Galerien folgen. Der Campus erstreckt sich entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals nach Norden.

An den Kunstcampus sollen dem Masterplan zufolge größtenteils Wohnhäuser anschließen: mit Blick aufs Wasser an einem Uferweg gelegen, der von „grünen Inseln“ durchsetzt wird, so Senatorin Junge-Reyer. Sogar ein neuer Hafen wird zwischen Humboldt- und Nordhafen angelegt. Und Brücken werden auf die andere Uferseite geschlagen: für Fußgänger und Fahrradfahrer. Eigenheime wird man in dieser Stadtlage vergeblich suchen; es entstehen verdichtete Blöcke mit fünf Stockwerken – insgesamt sollen in dem Gebiet Heidestraße 1800 Wohnungen gebaut werden.

Die Senatorin betont, dass man das Gebiet „nachhaltig“ ökologisch, ökonomisch und sozial entwickeln werde. So soll zum Beispiel die Heidestraße in einen „Boulevard“ verwandelt werden. Bisher nimmt die vierspurige Trasse den Durchgangsverkehr in den Berliner Norden auf. Um Autos und Lastwagen zu bremsen und das Gebiet zu beruhigen, sollen Fuß- und Radwege zum Regierungsviertel angelegt werden.

Für Schutz vor dem Lärm und Verkehr von der Eisenbahntrasse, die das Gebiet westlich begrenzt, sollen dichte Gewerbebauten sorgen. Wünschenswert sei ferner der Bau eines neuen „S-Bahnhofes Perleberger Straße“ im Norden des Areals, so die Senatorin. Sie veranschlagt für das Gebiet einen Entwicklungszeitraum von 15 Jahren.

Dass es in stadtplanerischen Dingen zuletzt zwischen der Senatorin Junge-Reyer und dem Regierenden Bürgermeister unterschiedliche Auffassungen gab, werde dieses Projekt nicht belasten, hieß es. „Kein Millimeter Differenz“ bestehe zwischen Klaus Wowereit und Ingeborg Junge-Reyer über die Pläne für das Quartier Heidestraße, versicherte Senatssprecher Richard Meng.

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