• Neues System zur Orientierung im Berliner Forst: Polizei nummeriert den Wald - zur Sicherheit

Neues System zur Orientierung im Berliner Forst : Polizei nummeriert den Wald - zur Sicherheit

An Krummer Lanke und Schlachtensee hängen Nummern an den Bäumen – offiziell für Retter, laut Insidern aber gegen Hundebesitzer.

Felix Hackenbruch
Stehn wa im Wald hier? So sehen die Orientierungsnummern aus.
Stehn wa im Wald hier? So sehen die Orientierungsnummern aus.Foto: Polizei Berlin

Das gab es bis jetzt noch nicht in Berlin: Wer in den letzten Tagen auf dem Uferweg am Schlachtensee und an der Krummen Lanke spazieren war, dem sind womöglich kleine runde Metallschilder an den Bäumen aufgefallen. Diese blauen Plaketten mit schwarzen Ziffern sind nicht Teil einer jugendlichen Schnitzeljagd, sondern gehören zu einem ausgefeilten Orientierungssystem, das der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, Polizei, Feuerwehr und Forstamt entwickelt haben.

Hintergrund der neuen Orientierungsnummern ist laut Polizei die Erfahrung, dass es dort „bei Notrufen oft Probleme mit der genauen Standortbestimmung“ gibt. Wie oft genau, ist allerdings unklar: „Es gibt dazu keine statistischen Erhebungen, das beruht auf einem subjektiven Eindruck der Behörden“, erklärt Polizeisprecher Martin Dams. Nun soll die Zeit des Suchens aber vorbei sein. Die 94 Metallschilder wurden per GPS lokalisiert und kartographiert. Außerdem wurden mögliche Zufahrtswege für Einsatzfahrzeuge erfasst.

Zahl durchgeben ist präziser und schneller als Ortung des Handys

Was sich angesichts von Smartphones ein bisschen altmodisch anhört, ist rechtlich notwendig. „Eine Ortung des Mobiltelefons darf erst vorgenommen werden, wenn mindestens ein Staatsanwalt zugestimmt hat“, erklärt Dams. Zwar könne die Polizei bei Notfällen auch selbst aktiv werden, aber dann müsse sie zuerst den Mobilfunkanbieter kontaktieren, und die Zelle sei auch viel ungenauer als das neue Orientierungssystem. Die Plaketten finden sich alle 70 bis 100 Meter auf etwa zwei Meter Höhe.

Voller Einsatz. Polizeitaucher sieht man öfter am Schlachtensee. Um in Zukunft bei Notfällen schneller am richtigen Ort zu sein, wurden jetzt Bäume nummeriert.
Voller Einsatz. Polizeitaucher sieht man öfter am Schlachtensee. Um in Zukunft bei Notfällen schneller am richtigen Ort zu sein,...Foto: dpa

Auch die Leiterin des Ordnungsamts in Steglitz-Zehlendorf, Christa Markl-Vieto, hält das neue System für sinnvoll. Als Überwachungshilfe für ihr umstrittenes Hundeverbot (siehe Kasten rechts) will sie die Markierungen aber nicht verstanden wissen: „Die Idee entstand bereits vor zwei Jahren bei einem Behördentreffen. Wenn wir jetzt schon die Verbotspfosten aufstellen, können wir bei der Gelegenheit auch die Plaketten an den Bäumen anbringen“, erklärte die Grünen-Politikerin.

Ein Mitarbeiter der städtischen Forstverwaltung erklärte dagegen, die Plaketten seien einzig dafür angebracht, damit Badegäste leichter Hundebesitzer melden können, die sich nicht an das geltende Hundeverbot am Uferweg halten. Außerdem, so sagte er, habe die Aktion kaum Geld gekostet, und es gebe keine bleibenden Schäden an den Bäumen: „Durch einen Nagel kann kein Baum verenden. Da müsste man schon hunderte rostige Nägel reinhauen, damit da etwas passiert.“

Wofür die neuen Orientierungsnummern letztendlich genutzt werden, wird sich ab dem 1. Mai zeigen. Dann wollen alle beteiligten Behörden gleichzeitig beginnen, mit den Nummern zu arbeiten.

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