Berlin : Neues vom Pferd (Glosse)

Bernd Matthies

Das hauen wir inzwischen raus, ohne groß nachzudenken. Hauptstadt! Ach was: Metropole! Das Trauma namens "Hauptstadt der DDR" ist gelöscht; die ganze Stadt soll es sein, und sie trägt die Bürde mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein. Und falls es zum Wesen des Metropolitanen gehört, auch die negativen Etiketten zu akzeptieren, macht das nichts. Hauptstadt der Spionage? Der Wehleidigkeit? Gern doch.

Dennoch war es ein wenig überraschend, Berlin von einer Nachrichtenagentur auch noch als "europäische Pferdehauptstadt" eingestuft zu sehen. Klar: Unsere Töchter reiten gern, an wieherndem Gelächter kommt uns niemand gleich, und die lebhafte S/M-Szene der Stadt kennt sich mit Peitschen bestens aus. Doch erst die Ausstellung unterm Funkturm verleiht dem Titel Glaubwürdigkeit und Fülle. Warmluftduschen für Pferde! Aqua-Trainer zur equestrischen Rehabilitation! Reitsimulatoren! Ja, selbst Großlimousinen mit Platz für vier Pferde scheinen keinen äpfelnden Vierbeiner mehr aus der Fassung zu bringen - und alles in der, in unserer Hauptstadt, Berlin.

Dennoch reicht das allenfalls für temporären Ruhm. Die Lippizaner nämlich haben wir von den Wienern nur geliehen, die dazu passende Hofreitschule bleibt ohnehin an der Donau. In Hoppegarten werden sie ewig und drei Tage versuchen, Ascot nachzumachen, und die argentinischen Gauchos geben das Rezept nicht her, wie man Steaks unter dem Sattel weich reitet. Bleibt uns nur die Pferdebulette ...

Pferdehauptstadt? Na ja. Hunde-Metropole - den Titel haben wir sicher. Vielleicht wachsen die Viecher einfach noch ein Stück.

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