Neues vom Planeten MODE : Was heißt hier Naturfasern?

Susanna Nieder

Seit einigen Monaten gibt es ein neues Biosiegel für Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Dieser Global Organic Textile Standard (GOTS) wird von vier Naturtextilverbänden aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Japan vergeben. Wenn man den Kriterienkatalog durchliest, fragt man sich, welchen Weg Kleider aus normalen Naturfasern zurückgelegt haben.

Wer den GOTS bekommen will, muss mindestens 70 Prozent seiner Naturfasern aus ökologischer Landwirtschaft beziehen, andere Fasern unterliegen Pestizidrückstandskontrollen. Umweltschädliche Verarbeitungsmethoden sind ebenso verboten wie krebserregende Farbstoffe. Kontrollierte und zertifizierte Ware muss von konventioneller getrennt gelagert werden. In den Fasern dürfen sich mit Ausnahme von Eisen und Kupfer keine Schwermetalle befinden, Accessoires müssen aus naturbelassenen Rohstoffen hergestellt sein. Die Herstellung muss sozialverträglich organisiert sein, das heißt ohne Kinder- oder Zwangsarbeit und Diskriminierung.

Krebserregende Farbstoffe? Schwermetalle? Kinderarbeit? Muss man davon ausgehen, dass das nicht zertifizierte T-Shirt, das man sich oder – noch schlimmer – seinem Baby kauft, verseucht und von Kindern hergestellt ist? Vom Anbau bis zum Anziehen liegen bis zu 100 Arbeitsschritte, da bleibt viel Raum für Verschmutzungen aller Art und unfaire Arbeitsmethoden. Tatsache ist: Ein Viertel aller weltweit eingesetzten Insektizide und etwa zehn Prozent der Pestizide werden im konventionellen Baumwollanbau verwendet. Tatsache ist auch: Allein in Ägypten müssen sich über eine Million Kinder als Tagelöhner verdingen, um ihre Familien zu unterstützen.

Gerade aus Ägypten kommt aber auch ein Lichtblick: Auf der Sekem-Farm nordöstlich von Kairo wird auf 2000 Hektar biologisch-dynamischer Landbau betrieben. Dort arbeiten für eine begrenzte Stundenzahl auch Kinder, die auf der Farm zur Schule gehen und das Handwerk des umwelt- und sozialverträglichen Baumwollanbaus lernen. Der Gründer von Sekem, Ibrahim Abouleish, ist Träger des Alternativen Nobelpreises.

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