Berlin : Neuester Zug der Bahn sprang am Lehrter Bahnhof aus den Schienen

Klaus Kurpjuweit

Verletzt wurde niemand, die Strecke durch die Innenstadt war jedoch stundenlang gesperrtKlaus Kurpjuweit

In der Baustelle am Lehrter Bahnhof ist gestern der neueste Zug der Bahn, der Neige-ICE-T, entgleist. Fahrgäste waren nicht im Zug, die Panne führte aber zu einem erheblichen Durcheinander und Verspätungen. Die Ferngleise der Stadtbahn waren stundenlang gesperrt. Die Bahn versuchte mit einem Hilfszug die entgleiste Achse am dritten Waggon wieder auf die Schienen zu stellen, bis Redaktionsschluss waren die Arbeiten nicht abgeschlossen. Die Bahn wollte den Verkehr am Donnerstagmorgen zumindest auf einem Gleis wiederaufnehmen. Wie stark die Brücke beschädigt ist, muss erst noch untersucht werden.

Der Waggon war gegen 11.45 Uhr auf der Brücke über den Humboldthafen aus den Schienen gesprungen. An dieser Stelle dürfen die Züge nur mit 30 km/h fahren. Auf der kurvenreichen Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof ist ohnehin die Geschwindigkeit auf 60 km/h begrenzt.

An der Unfallstelle sind die Anlagen der Stadtbahn bei der großen Sanierung 1994 bis 1998 nicht erneuert worden, weil die Gleise dort 2001 Richtung Süden auf eine Trasse verschwenkt werden, die derzeit für den künftigen Lehrter Bahnhof gebaut wird. Die Fern- und Regionalzüge fahren deshalb an dieser Stelle noch über die alte Trasse. Was zu der Entgleisung geführt hat, steht noch nicht fest. Erste Vermutungen schlossen einen Schienenbruch nicht aus. Die Neigetechnik des ICE-T habe keine Rolle gespielt, sagte Bahnsprecherin Schwarz.

Der neueste Zug der Bahn fährt derzeit zwischen Düsseldorf und Potsdam/Charlottenburg und dann leer weiter zum Betriebswerk in Rummelsburg. Auch zwischen Potsdam und Düsseldorf ist die Neigetechnik nicht aktiviert, weil die Strecke nicht dafür ausgerüstet ist. Dank dieser Technik legt sich ein Zug wie ein Motorradfahrer in die Kurve, die damit schneller durchfahren werden kann. Ab Mai werden ICE-T den Verkehr zwischen Berlin und München übernehmen und so bis zu 47 Minuten Fahrtzeit sparen.

Während der Sperrung der Gleise fuhren die ICE-Züge aus Richtung Hannover nur bis zum Bahnhof Zoo. Wer zum Ostbahnhof wollte, musste auf die S-Bahn umsteigen, deren Betrieb weiterlief. Abgeschnitten war die Bahn damit aber auch vom Betriebswerk in Rummelsburg, in dem die ICE-Einheiten gereinigt und gewartet werden. So mussten die Züge im Bahnhof Zoo gereinigt werden.

Die IC-Linien von Hamburg über Berlin nach Dresden und München sowie die Interregios Rostock-Berlin-Chemnitz und Stralsund-Berlin-Frankfurt (Main) wurden über Lichtenberg umgeleitet. Die fünf Regionalexpress-Linien, die über die Stadtbahn fahren, wurden jeweils vorher unterbrochen. Auch hier konnten die Fahrgäste mit der S-Bahn weiterfahren.

Um bei Unfällen schnell eingreifen zu können, hat die Bahn an den wichtigsten Knoten des Netzes so genannte Hilfszüge mit nötigen Geräten stationiert.

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