Berlin : Neukölln: Frauen kurbeln die Wirtschaft an

Ensa Maurer

Am Anfang war der Beschluss: Einstimmig verständigte sich die Bezirksverordnetenversammlung darauf, ein Frauenwirtschaftszentrum für Existenzgründerinnen und Jungunternehmerinnen in Neukölln anzusiedeln. Seitdem sind anderthalb Jahre vergangen. Marita Blohm blickt ungeachtet aller notwendigen Kompromisse zufrieden zurück. "Natürlich", gibt die Projektleiterin des FWZ zu, "hätten wir lieber ein ganzes Haus für das Zentrum gemietet, um Dienstleistung und Handwerk unter ein Dach zu bekommen." Mit einer Spur von Wehmut denkt sie an das alte Bewag-Umspannwerk in der Richardstraße, das für dieses Vorhaben optimal gewesen wäre - nach umfangreichen Renovierungsarbeiten.

Doch die finanzielle Realität, die keine spezielle Förderung für das Frauenprojekt vorsieht, fegte die Idee rasch vom Wunschzettel und machte Platz für neue Prioritäten. An deren Spitze stand nun das zugleich größte Problem: Es galt, einen Vermieter zu finden, der eine Gewerbefläche von rund 1000 Quadratmetern anbietet und bereit ist, diese in Stücken von 20 bis 80 Quadratmetern einzeln zu vermieten. Überdies sollte das Objekt nicht in einem reinen Wohngebiet liegen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und zum fairen Preis zu haben sein. Rund 20 Angebote wurden daraufhin sondiert, bevor die Entscheidung zugunsten eines Trakts im Kindl-Boulevard an der Hermannstraße getroffen wurde. "Dort haben wir zwar nur 740 Quadratmeter zur Verfügung,", schränkt Marita Blohm ein, "aber die sind in einem attraktiven Umfeld, komfortabel ausgestattet und bezugsfertig."

Bereits angelegt sind dort zwei Konferenzräume, die Herzstücke des Frauenwirtschaftszentrums. "Schließlich geht es uns nicht nur darum, preisgünstige Gewerbeflächen für Existenzgründerinnen bereit zu halten,", betont Blohm, "sondern wir wollen ihnen auch anbieten, sich an Ort und Stelle beraten zu lassen und an Seminaren teilzunehmen, die auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sind." Wünschenswert sei ferner ein Synergie-Effekt unter den Mieterinnen, ein gegenseitiges Motivieren und voneinander Profitieren. Dennoch wird kein Konkurrenzschutz dafür sorgen, dass nicht auch Büronachbarinnen zu Rivalinnen im unternehmerischen Wettbewerb werden könnten. "Die Frauen erwarten keine Scheinwelt,", weiß Marita Blohm aus etlichen Gesprächen mit Interessierten und Einzugswilligen, "sondern haben ihren Start in die Selbstständigkeit meist sehr gut durchdacht." Nicht zuletzt, weil sie die Hürden auf dem Weg dahin kennen: Das Eigenkapital ist durchweg gering, der Finanzierungsbedarf aber für Banken unattraktiv. Kleine Gewerberäume zu günstigen Konditionen sind gefragt, aber kaum vorhanden. Im Frauenwirtschaftszentrum gibt es sie noch - und das nicht nur für Neuköllnerinnen.

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