Neukölln : Gott Ganesha zieht zu Turnvater Jahn

In der Hasenheide startet Ende Oktober der Neubau eines Hindu-Tempels. Gestern unterschrieb der Bezirk Neukölln einen Pachtvertrag bis 2080. Nach seiner Fertigstellung wird der Tempel der zweitgrößte Europas sein.

Matthias Jekosch
Buschkowsky
König von Neukölln: Im rituellen Gewand stellt Bezirksbürgermeister Buschkowsky mit Hindu-Vertretern den Tempel-Entwurf vor. -Foto: Winkler

So sah Heinz Buschkowsky noch auf keiner Pressekonferenz aus. Der Neuköllner Bürgermeister hatte einen goldenen Turban auf dem Kopf, einen roten Punkt auf der Stirn, und um seine Schultern waren eine Blumenkette und ein Seidenschal gelegt. „So waren die indischen Könige gekleidet“, erklärte Vilwanathan Krishnamurthy vom Verein „Sri Ganesha Tempel“ bei der Übergabe des Pachtvertrages. Damit kann in der Hasenheide der Bau des zweiten Hindutempels in Deutschland begonnen werden. Er wird der zweitgrößte Europas nach dem in London sein. Die Besucher werden in einem 17 Meter hohen Turm empfangen und gelangen von dort in den 18 Meter langen Tempel, der bis zu 400 Menschen Platz bietet. Derzeit ist die Finanzierung des etwa 850 000 Euro teuren Projektes zu zwei Dritteln gesichert. Das fehlende Geld will der Verein durch Spenden zusammenbekommen.

So exotisch das Projekt ist, so exotisch gestaltete der Verein auch die Übergabe. Eine silberne Statue des elefantenköpfigen Gottes Ganesha wird in den Rathaussaal hineingetragen, flankiert von Frauen im traditionellen Wickelgewand Sari. Unter dem Geläut einer kleinen Handglocke ist leise das Gebet des Priesters zu hören, mit dem er die Götter beschwört. Der Duft von Räucherstäbchen erfüllt die Luft, zwei Frauen singen ihre Mantras. Dem mit Blumen geschmückten Ganesha werden Früchte dargeboten.

„Die Gottheit gilt als etwas langsam, aber das, was sie tut, ist von Dauerhaftigkeit“, wusste Buschkowsky zu berichten. Für den Tempel könnte das ein gutes Omen sein. Es hat zwei Jahre gedauert, bis die Grundfinanzierung gesichert war. Wie schnell der Tempel errichtet werden kann, hängt auch davon ab, wie viele Spenden noch zusammenkommen. Nach der Fertigstellung haben die etwa 6000 Berliner Hindus lange etwas von ihrem Gebetsort. Der Pachtvertrag gilt bis zum Jahr 2080. Offen wird der Tempel für jeden sein, kündigte Krishnamurthy an. Nur Alkohol, Tabak, Fleisch und Straßenschuhe müssen draußen bleiben. Für den Tempelbau muss der Verein viel beachten, zum Beispiel die Gestirne. So hat er den Baubeginn auf den 28. Oktober datiert, weil an diesem Tag Sonne, Mond und Sterne in einer besonders günstigen Konstellation stehen. Die Baugenehmigung gibt es noch nicht, laut Buschkowsky sei sie aber nur noch eine Formsache.

Er freut sich bereits auf den Tempel. „Er ist ein städtebauliches Kleinod und ein Symbol dafür, dass drei Weltreligionen auf engstem Raum friedlich zusammenleben.“ Die evangelische Genezareth-Kirche und die Moschee sind nur einen Steinwurf vom Tempelgelände entfernt. Auch ein weiterer Nachbar sollte gut mit den hinduistischen Gottheiten auskommen. Turnvater Jahn hat in der Hasenheide ein Denkmal stehen. Er sei ein Revolutionär gewesen, der neue Gedanken formulierte, so Buschkowsky. Deswegen werde ihm diese „neue Stätte geistiger Natur“ gut gefallen.

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