Berlin : Neukölln: Millimeter-Spiel mit der Autobahnbrücke

Thomas Loy

Seinen aktuellen Job nennt Kranführer Josef Kania "Doktorarbeit". Das bedeutet: Ganz vorsichtig herumfuhrwerken am Patienten Stahlverbundbrücke. Ein Schlussstück der künftigen Autobahnbrücke über dem Neuköllner Schifffahrtskanal wird in Position geschwenkt und verschweißt. Josef Kania wird gleich in seine Kabine steigen und "total abschalten". Dann kann das Manövrieren des 45 Tonnen schweren Stahlsegments beginnen. Zwei bis drei Zentimeter Spielraum zwischen den Segmenten hat Kranführer Kania dafür zur Verfügung - an heißen Tagen, wenn der Stahl sich ausdehnt, kann sich diese auch auf ein paar Millimeter verringern.

781 Millionen Mark Baukosten

Das fand Bau- und Verkehrssenator Peter Strieder so spannend, dass er selbst den Lückenschluss vornehmen wollte. Josef Kania ließ ihn auch ins Führerhaus des 600-Tonnen-Krakens, aber dann durfte Strieder nur mal hupen und die Kabine verschwenken. Ansonsten verkündete er den derzeitigen Planungsstand der Teltowkanalautobahn A 113: Für das Jahr 2003 ist die Eröffnung der Anschlussstellen Grenzallee und Späthstraße geplant. 2004 Freigabe der Trasse bis Adlershof. 2006, also ein Jahr früher als ursprünglich geplant, Fertigstellung der gesamten Strecke bis zum Flughafen Schönefeld. Die Baukosten liegen bei 781 Millionen Mark. Fast die gesamte Summe, 747 Millionen Mark, übernimmt der Bund. Da nach, so es denn der Bundeshaushalt hergibt, will man den Stadtring (A 100) bis zum Ostkreuz verlängern. Feste Termine gibt es jedoch nicht.

Entlastung für Neukölln?

Strieder betonte gestern nochmals, dass der Bau der Autobahn für die Stadt von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sei. Über dem Neuköllner Schifffahrtskanal werden sich künftig die Autobahnen A 100 und A 113 treffen. Das Autobahndreieck gliedert sich in insgesamt sechs Brücken auf, die zusammen 14 Fahrspuren tragen. Die Verkehrsplaner vermuten, dass einmal zwischen 119 000 und 143 000 Autos und Lastwagen täglich das Dreieck befahren werden. Der Verkehrssenator sieht darin eine erhebliche Entlastung des Neuköllner Straßensystems.

Wegen des starken Verkehrs wird auf der A 113 durchgängig Tempo 80 gelten, im Bereich des Dreiecks Neukölln Tempo 60. Die Brücken werden mit Lärmschutzwänden ausgestattet, die auf Höhe des Kanals durchsichtig sind. Die Brückensegmente wurden in Belgien hergestellt und per Schiff nach Berlin gebracht. Direkt aus dem Frachtkahn werden sie dan in die richtige Position gehoben und verankert. Reine Routine für Kranführer Kania.

Ein paar Meter entfernt sind Taucher dabei, Verankerungen auf dem Grund eines Troges anzubringen, der parallel zum Schiffahrtskanal verläuft. Hier soll demnächst unter Wasser der Beton für eine Fahrbahn unterhalb des Bodenniveaus gegossen werden. Vorbild dafür waren die Bauarbeiten am Potsdamer Platz. Insgesamt läuft der Verkehr auf vier Ebenen aneinander vorbei. Allein dieser kreuzungsfreie Verkehrsknoten verschlingt 3200 Tonnen Stahl und kostet rund 45 Millionen Mark.

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