Neukölln : Soko Suff geht auf Streife

In Neukölln soll jetzt strenger kontrolliert werden, ob Wirte Alkohol an Jugendliche ausschenken. Gesundheitsstadträtin Stefanie Vogelsang hatte bereits vor einem Jahr eine "Soko Suff" gefordert.

Claudia Keller
Kafka
Mitarbeiter der Aktion "KafKA" werben derzeit bei Neuköllner Kioskbetreibern und Wirten für mehr Sensibilität beim Jugendschutz. -Foto: Heinrich

Der Bezirk Neukölln arbeitet an der Einrichtung einer „Soko Suff“. Nach Auskunft von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) sollen Mitarbeiter des Jugendamtes gemeinsam mit Polizisten künftig regelmäßig Kneipen und Restaurants kontrollieren, um zu verhindern, dass Wirte Alkohol an Jugendliche ausschenken. „Das Neuköllner Jugendamt leidet unter großem Personalmangel, aber daran sollen die Kontrollen nicht scheitern“, sagte Buschkowsky. Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte dem Bezirksamt Neukölln im Interview mit dem Tagesspiegel vorgeworfen, auf das vor einem Jahr gemachte Angebot der Polizei nicht einzugehen, einmal in der Woche zu gemeinsamen Kontrollen in Kneipen auszurücken. Weil es der Bezirk nicht schaffe, einen Beamten abzustellen, habe es eine solche Überprüfung in Neukölln in diesem Jahr erst einmal gegeben, hatte Glietsch kritisiert.

Neuköllns Gesundheitsstadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) hatte bereits vor einem Jahr gefordert, es brauche eine „Soku Suff“, um Betreiber von Kiosken, Tankstellen und Imbissen über die Gesetzeslage und Bußgelder zu informieren. Es habe bislang dreimal solche Kontrollen gegeben, sagte Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) und wies Glietschs Kritik zurück. Der Bezirk nehme das Problem ernst, was man an der Initiative „Kafka“ (Kein-Alkohol-für-Kinder-Aktion) sehen könne. Im Rahmen dieses präventiven Projekts klären Mitarbeiter des Bezirksamts Ladenbesitzer und Imbissmitarbeiter über die Folgen des Alkoholausschanks an Jugendliche auf.

Das Angebot der Polizei, gemeinsam mit Bezirksamtsmitarbeitern wöchentliche Kontrollen zu organisieren, wird in den Bezirken unterschiedlich umgesetzt. „Einmal in der Woche ist unmöglich“, sagt Reinhard Naumann (SPD), Jugendstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Dafür verfügten die Jugendämter nicht über ausreichend Personal. Nicht zuletzt durch die Einrichtung der Hotline Kinderschutz und die erhöhte Sensibilität der Berliner, was die Vernachlässigung von Kindern angehe, hätten die Jugendämter immer mehr zu tun. Nach Auskunft von Jugendstadtrat Naumann haben im Bezirk in den ersten vier Monaten dieses Jahres aber immerhin alle zwei Wochen Jugendschutzkontrollen von Polizei und Bezirksamt in Kneipen und Diskotheken stattgefunden. Dies sei möglich, weil man auch auf Mitarbeiter des Ordnungsamtes zurückgreife. Bei den unangekündigten Besuchen zeige sich, dass die Wirte in der Regel darauf achten, dass kein Alkohol an Minderjährige ausgeschenkt wird, sagt Naumann. Nun müsse man bei Kioskbetreibern und Tankstellenmitarbeitern das Bewusstsein schärfen. Jugendliche seien oft schon betrunken, wenn sie in Diskos oder Kneipen kämen.

In Spandau seien Mitarbeiter des Jugendamtes und der Polizei seit Mai dieses Jahres dreimal unterwegs gewesen. Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) wünscht sich, dass solche Kontrollgänge viel öfter stattfinden. Dazu fehle das Personal in den Jugendämtern. Meys gibt aber auch zu bedenken, dass auch häufige Kontrollen in Kneipen und Diskos nicht verhindern können, dass sich Jugendliche auf privaten Partys betrinken. Erst am Freitagabend war eine betrunkene 15-Jährige in Spandau zusammengebrochen. Sie hatte sich auf einer Geburtstagsparty betrunken. Claudia Keller

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