Neukölln : Sport statt Gewalt: Neukölln will Hallen auch nachts öffnen

Um die Jugendlichen von der Straße zu holen, soll am Wochenende bis 3 Uhr gespielt werden können. Das Sportamt überpruft bis März geeignete Hallen.

Cay Dobberke

Neukölln will Sporthallen bis nachts für junge Leute aus schwierigen sozialen Verhältnissen öffnen. Freitags und sonnabends könne dann von 20 Uhr bis 3 Uhr früh Basketball, Handball und Streetball gespielt werden, sagt Schul- und Sportstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD). Bis Mitte März will das Sportamt prüfen, welche Hallen in Frage kommen und wie die Betreuung durch ehrenamtliche Helfer organisiert werden kann.

Die Initiative geht auf einen Antrag der Fraktion Die Linke zurück, der am Mittwochabend vom BVV-Sportausschuss beschlossen wurde. Nur die CDU enthielt sich. „Wir finden das Projekt nicht schlecht, glauben aber nicht, dass es sich realisieren lässt“, sagte CDU-Ausschussmitglied Felix Kulick. Nach Angaben von Schimmang zwei bis drei geeignete Standorten in Betracht, die am Wochenende länger geöffnet werden könnten. Schulsporthallen kommen nur in Frage, wenn sie eigene Zugänge haben. Fremde Besucher durch Schulflure laufen zu lassen, sei aus Sicherheitsgründen unmöglich.

Die Betreuung soll die Sportjugend oder der Verein für Jugend- und Sozialarbeit (VSJ) übernehmen. Bereits vor drei Jahren hatte der VSJ eine Sportnacht in der Jahnsporthalle am Columbiadamm veranstaltet. Zehn Mal jährlich lädt der Verein zu „Streetball-Nights“ für Jedermann in die Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg ein.

Im Idealfall sollen Schnupper-Sportstunden dazu führen, dass Teilnehmer einem Verein beitreten. „Sportvereine bieten ein hohes Maß an sozialer Stabilität“ und seien wichtig im Kampf gegen Jugendkriminalität, sagt Schimmang. Er habe nicht die „Illusion“, dass es reihenweise zu Vereinsbeitritten komme. Aber schon die „Anbahnung von Kontakten“ könne helfen. Noch ist nach Angaben des Stadtrat allerdings unklar, ob die freien Träger des Jugendsports für Neuköllns „schwierige Klientel“ geeignete Betreuer haben. Auch die Hallenreinigung bis zum Schulbeginn müsse gesichert sein.

In Spandau gab es im Dezember eine erste „Fußballnacht“ des VSJ in der Sporthalle der Carlo-Schmid-Schule, die nächsten zwei sollen im Februar folgen. Bildungs- und Sportstadtrat Gerhard Hanke (CDU) will das Angebot bis Jahresende testen. Zum Problem könne auf Dauer allerdings der Lärm werden, da die Halle mitten im Wohngebiet liegt.

Der Landessportbund (LSB) fordert die nächtliche Öffnung von Sporthallen seit Jahren. Geeignet seien Hallen, für die es bereits so genannte Schlüsselverträge mit Vereinen gibt, sagt Sprecher Dietmar Bothe. Damit sei der Zugang der Jugendlichen auch ohne die Schulhausmeister möglich.

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