Neuköllner Mauerrelikt : Protest gegen Brückenabriss

Der Kiehlsteg über den Neuköllner Schifffahrtskanal soll verschwinden. Das ist billiger als eine Sanierung. Den Anwohnern hat aber niemand Bescheid gesagt.

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Eine Behelfsbrücke, die keiner unbedingt braucht, aber viele lieb gewonnen haben. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Eine Behelfsbrücke, die keiner unbedingt braucht, aber viele lieb gewonnen haben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Still und heimlich sollte die Brücke über den Neuköllner Schifffahrtskanal verschwinden. Die beauftragte Firma war schon beim Vermessen, da fragten ein paar Anwohner, was denn hier geplant sei. Und sie erfuhren: Die Brücke soll weg. Abrisstermin: 18. März.

Der Kiehlsteg ist eine beliebte Verbindung für Radfahrer und Fußgänger. Er wurde nach dem Mauerbau aus Stahl und Holz errichtet, als Notbehelf für die Neuköllner, die die gesperrte Lohmühlenbrücke nicht mehr nutzen konnten. Der Lohmühlenplatz nördlich der Brücke befand sich in Ost-Berlin und war abgesperrter Grenzbereich.

Neuköllner Bezirksamt hat zugestimmt

Die Notbrücke blieb nach der Grenzöffnung stehen. Doch inzwischen sei die Konstruktion stark sanierungsbedürftig, erklärt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Der Bodenbelag müsse erneuert, das Geländer ersetzt und die Stahlkonstruktion mit einem neuen Korrosionsschutz versehen werden. Auch Kosten für den Unterhalt seien zu berücksichtigen. Da habe man „im Einvernehmen“ mit dem Neuköllner Bezirksamt entschieden, die Brücke abzureißen. Schließlich könnten Anwohner und Ausflügler ja die 60 Meter nördlich gelegene Lohmühlenbrücke nutzen.

Doch die Anwohner sind nicht einverstanden. Senat und Bezirk hatten nämlich vergessen, den Brückenabriss anzukündigen, und das nährt jetzt den Protest. Eine neu gegründete Initiative hat einen Antrag auf Denkmalschutz beim Landeskonservator eingereicht. Mit Verweis auf diesen Antrag verlangen die Aktivisten, den Abriss aufzuschieben. Zu Not, sagt Sprecher Tom Küstner, werde man die Brücke einfach besetzen. Für Samstag wird zu einer Demonstration auf dem Weichselplatz aufgerufen.

Besonders ärgert die Brückenfreunde, dass die Stadtentwicklungsverwaltung gerade 50 Millionen Euro für Brückenneubau und -sanierungen an den Bund zurückgeben musste, weil Planungskapazitäten fehlten. „Es gibt viele Brücken, die dringend saniert werden müssen“, sagt Petra Rohland – dringender als der Kiehlsteg. Dort ist es einfacher abzureißen. Das kostet auch nur 42 000 Euro. Was teuer eine Sanierung kommen würde, konnte Rohland nicht sagen.

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