Berlin : Neuköllner Projekt Morus 14 kämpft ums Überleben

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es könnte das Ende sein für ein hochgelobtes Integrations- und Bildungsprojekt im Neuköllner Rollbergviertel: Der Förderverein Gemeinschaftshaus Morus 14 kämpft ums Überleben. Um Kosten zu sparen, hat der Geschäftsführer Gilles Duhem zum 1. Oktober sein Amt niedergelegt. Seinen Job übernehmen bis auf Weiteres die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder.

Der rund zehn Jahre alte Verein ist vor allem bekannt für seine Bildungsarbeit im Rollbergviertel. Im „Netzwerk Schülerhilfe“ werden mehr als 100 Kiezkinder von 75 ehrenamtlichen Schülern unterrichtet. Der Verein finanziert sich durch Spenden sowie durch gelegentliche Vermietung der Vereinsräume in der Morusstraße, Mitgliedsbeiträge und Veranstaltungen wie „Mieter kochen für Mieter“ und „Stummfilm im Rollberg“. Seit einige Großspender wegen eigener finanzieller Schwierigkeiten abgesprungen sind, ist die Arbeit des Vereins bedroht.

„Neukölln ist überall“ heißt das Buch des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, mit dem er gerade erneut die Debatte um Integrationsprobleme und „Bildungsferne“ im nördlichen Neukölln angestachelt hat. Ex-Geschäftsführer Gilles Duhem versteht nicht, wie Projekte wie das seine trotzdem ins Hintertreffen geraten können. „Unser Projekt hat Modellcharakter mitten in Neukölln, wir haben extrem engagierte Ehrenamtliche und alle möglichen Auszeichnungen, aber die Gesellschaft ist offenbar nicht weit genug, uns dabei zu unterstützen“, sagt Duhem. Im Auftrag der Mitgliederversammlung führt der Vorstand derzeit Gespräche mit möglichen Sponsoren. Sollten bis Ende Oktober neue Sponsoren gefunden sein, ist Duhem bereit, seinen Job wieder aufzunehmen.

Duhem begründet den Rücktritt damit, dass dauerhaft zu wenig Geld da war – im Fall einer Auflösung des Vereins hätte der Vorstand haften müssen. Der Vorsitzende Wolfgang Rühlmann sagt: „Ich gehe davon aus, dass die Schülerhilfe weitergeführt werden kann“ – und sei es unter neuer Trägerschaft. Duhem dagegen ist unsicher, ob ein anderer Träger den Voraussetzungen im Kiez gerecht werden könnte. „Wir müssen immer da sein, denn wenn die Tür einmal geschlossen ist, kommen die Leute nicht mehr.“

Die Arbeit des Vereins ist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Bertelsmann-Stiftung und der Bürgerstiftung Neukölln. Bei gemeinsamen Essen, Filmabenden, der Schülerhilfe und dem wöchentlichen „Frauenfrühstück“ begegnen sich die Menschen aus dem Kiez. „Hier wird das Unverständnis zwischen den Kulturen mit Dialog ausgetauscht“, sagt ein Schülerhelfer, der sich bei Morus 14 engagiert.

Gilles Duhem hofft, dass etwa 20 Sponsoren gefunden werden, die ihr Engagement für fünf Jahre auf den Verein konzentrieren. „Nach all dieser Zeit bin ich es leid, nur in die Wüste zu schreien“, sagt er. Zumindest könne jetzt keiner mehr sagen, er habe nichts von den Problemen bei Morus 14 gewusst. Beim Bezirksamt Neukölln hieß es gestern noch: „Morus 14 e.V. ist ein Verein, der seit Jahren ganz bewusst ein vom Bezirksamt Neukölln völlig unabhängiges Wirken verfolgt. Interne Angelegenheiten des Vereins entziehen sich dementsprechend unserer Kenntnis.“ Franziska Felber

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