Neuköllns Bezirksbürgermeister : Buschkowskys Buch: "Groschenroman mit fatalen Wirkungen"

26.10.2012 17:19 Uhrvon
Forsch. So ließ Heinz Buschkowsky im Wahlkampf für sich werben. Sein Buch „Neukölln ist überall“ provoziert seit seinem Erscheinen vor einem Monat kontroverse Reaktionen. Illustration: Promo
Forsch. So ließ Heinz Buschkowsky im Wahlkampf für sich werben. Sein Buch „Neukölln ist überall“ provoziert seit seinem Erscheinen vor einem Monat kontroverse Reaktionen. - Illustration: Promo

Barbara John und zahlreiche Neuköllner Initiativen machen Heinz Buschkowsky schwere Vorwürfe. Mit seinem Buch schüre er Fremdenfeindlichkeit und verschärfe als Bürgermeister soziale Probleme.

Dass sich hier etwas aufgestaut hat, merkt man am Freitagmorgen schon an der Besetzung der Pressekonferenz. Während sonst bei solchen Veranstaltungen zwei oder drei Redner den Journalisten ihre Sicht darlegen, drängelt sich im Neuköllner Nachbarschaftszentrum „Leuchtturm“ ein gutes Dutzend Vertreter von Initiativen und Verbänden, die etwas sagen wollen. Auslöser der Veranstaltung unter dem Motto „Wir sind Neukölln“ ist ein Buch, das hier gleich mehrfach auf den Tischen liegt, versehen mit vielen Anmerkungen und Notizzetteln: Heinz BuschkowskysNeukölln ist überall“.

Für Barbara John ist die zum bundesweiten Bestseller aufgestiegene Abrechnung des Bezirksbürgermeisters mit Integrationsdefiziten nicht viel mehr als ein „Groschenroman mit fatalen Wirkungen“. Eine Meinung, die neben der langjährigen Berliner Ausländerbeauftragten und heutigen Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin fast alle Vertreter in dieser Runde teilen.

„Dieses Buch macht unsere Arbeit zunichte“, sagt Asia Afaneh-Zureiki, Projektleiterin der Initiative „Juma“ („jung, muslimisch, aktiv“), in der sich nach ihren Angaben rund 100 Muslime engagieren. Sie selbst stamme aus einer Familie mit vier Kindern, zu Hause wurde nur Arabisch gesprochen – und dennoch hätten sie und zwei Geschwister einen Hochschulabschluss in der Tasche.

Von ihrem Bürgermeister fühlt sich die junge Frau als „Schmarotzer“ dargestellt, sagt sie und zitiert eine Passage aus dem Buch, in der es über den Bezirk heißt: „Zu dem früher üblichen Bestand der türkisch- und arabischstämmigen Bevölkerung haben sich zunehmend Schwarzafrikaner im Gebiet niedergelassen. Mit den Afrikanern ist noch mehr Brutalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch eingezogen. Türkische und arabische Männer sitzen in den Cafés. Afrikanische Männer sitzen zu Hause, sehen fern, spielen, telefonieren und trinken. Afrikaner lassen sich noch schwerer in die Karten schauen als die anderen Ethnien.“

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