Berlin : Neuköllns Jugend-Polizist wirft hin

Präventionsbeauftragter gibt nach Streit auf

Tanja Buntrock

Der Streit um die Dienstreisen des Neuköllner Bürgermeisters Heinz Buschkowsky (SPD) nach Rotterdam und London hat erste personelle Konsequenzen nach sich gezogen. Buschkowsky verliert einen seiner wichtigsten polizeilichen Helfer im Bezirk: Wie der Tagesspiegel aus Polizeikreisen erfuhr, wird der Jugend- und Präventionsbeauftragte, Stefan Bonikowski, seinen Job aufgeben. Der 47-jährige Polizeihauptkommissar bestätigte, dass er im Sommer kommenden Jahres seinen Bereich verlassen wird. 18 Jahre lang hatte er mit kriminellen Jugendlichen gearbeitet, Konzepte zur Gewaltprävention erstellt und vor fünf Jahren das „Jugendrechtshaus“ in Neukölln gegründet. Für sein Engagement war er 2005 mit der Ehrennadel des Bezirks ausgezeichnet worden.

Bonikowski sei „enttäuscht“ gewesen, dass die Polizeiführung ihm nicht erlaubt hatte, mit Buschkowsky und seiner Delegation von Fachleuten im Juni nach Rotterdam und London zu reisen. Der Bürgermeister informierte sich dort, wie verhindert werden kann, dass Stadtteile mit einem hohen Migrantenanteil kippen. Da Bonikowski „die Jugendszene wie kein anderer kennt“, wie Buschkowsky sagte, wollte er auch ihn als Experten mitnehmen. Doch das wurde von der Behördenleitung nicht erlaubt. „Stattdessen sollte eine Polizistin aus dem höheren Dienst mitreisen“, sagte Buschkowsky. Doch das habe der Bürgermeister abgelehnt. „Bei der Polizeiführung zählt nur standesgemäßes Denken.“ Alle Interventionsversuche beim Polizeipräsidenten Dieter Glietsch seien fehlgeschlagen. „Der hat sich nicht umstimmen lassen.“ Dass Bonikowski hinwirft, sei bedauerlich. „Er ist ein Fels in der Brandung in Sachen Gewaltprävention “, sagte Buschkowsky.

Der Hauptkommissar versicherte, er habe lange darüber nachgedacht. Der Entschluss sei ihm nicht leicht gefallen. Seinen Nachfolger werde er bald einarbeiten. Den Job im Jugendrechtshaus wolle Bonikowski ehrenamtlich fortführen. Was er ab nächsten Sommer dienstlich macht, ist noch unklar: Es kann sein, dass „Boni“, wie er von den Jugendlichen im Kiez genannt wird, wieder Uniform tragen und Streife fahren muss. Tanja Buntrock

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