Berlin : Neun Bankmanager sollen ins Gefängnis

Staatsanwältin wirft Angeklagten Gigantomanie vor

Kerstin Gehrke

Die ergrauten Männer aus der Vorstandsetage wirkten wie versteinert. Sie hatten zwar damit gerechnet, dass die Staatsanwaltschaft auf Freiheitsstrafen plädieren würde. Doch sie waren wohl eher auf Bewährung eingestellt. Nun aber will sie die Staatsanwältin ins Gefängnis schicken, bis zu vier Jahre lang. Nur langsam löste sich die Fassungslosigkeit auf der Anklagebank. Klaus Landowsky ging schließlich kopfschüttelnd aus dem Saal 700 des Berliner Landgerichts, in dem seit 17 Monaten verhandelt wird. Einer seiner Anwälte sagte nur kurz: „Politisch motiviert.“

Knapp sechs Jahre nach Bekanntwerden der Berliner Bankenaffäre hat die Staatsanwaltschaft gestern für den früheren CDU-Fraktionschef und Vorstand der BerlinHyp eine Gefängnisstrafe von drei Jahren beantragt. Er und die zwölf weiteren Angeklagten hätten sich bei der Vergabe von Millionenkrediten an das Immobilienunternehmen Aubis „bewusst pflichtwidrig“ verhalten. Sie seien der Untreue im besonders schweren Fall schuldig zu sprechen, verlangte Oberstaatsanwältin Vera Junker in ihrem 170 Seiten umfassenden Plädoyer.

Von den 13 Angeklagten – sechs ehemalige Bankvorstände, sechs frühere Aufsichtsräte und ein Abteilungsleiter – sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft neun zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, die weiteren Ex-Spitzenmanager zu Bewährungsstrafen. Die mit vier Jahren höchste Strafe verlangte Junker für das frühere Vorstandsmitglied der BerlinHyp, Klaus-Jürgen Noack. Er sei bezüglich der Kredite „ressortzuständig“ gewesen. Für die früheren Vorstandsvorsitzenden der Bankgesellschaft, Wolfgang Steinriede und Wolfgang Rupf, wurden zwei Jahre und neun Monate Gefängnis sowie ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung beantragt. Sie waren im Aufsichtsrat der BerlinHyp, einer Tochter der damaligen Bankgesellschaft.

Beim Geschäftsgebaren der 13 Angeklagten will Oberstaatsanwältin Junker deutliche Spuren von Gigantomanie ausgemacht haben. „Sicher spielte der Wunsch mit, die BerlinHyp noch größer zu machen.“ Als die Aubis-Kredite problematischer wurden, habe man die Fehlentscheidungen deckeln wollen. Dann sei ganz nach dem Motto „Augen zu und durch“ agiert worden.

Junker sparte in ihrem Plädoyer nicht mit Polemik. „Bezeichnend für die Denkweise des Angeklagten Landowsky ist seine Überzeugung, dieses Verfahren habe allen Beteiligten nur dazu gedient, ihn als politische Einflussgröße auszuschalten.“ Die Anklägerin warf Landowsky vor, persönlich dafür gesorgt zu haben, dass ein kritischer Sachbearbeiter vom Aubis-Geschäft abgezogen wurde.

Die risikoreichen Immobiliengeschäfte der Bankgesellschaft und ihrer Tochterfirmen hatten zu Verlusten in Milliardenhöhe geführt. Die ehemaligen Berlin-Hyp-Manager sollen für die Vergabe von unzureichend gesicherten Krediten an das Immobilienunternehmen Aubis verantwortlich sein. Sie hätten Mitte der 90er Jahre bei der Bewilligung von insgesamt 235 Millionen Euro für Kauf und Modernisierung von Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland gegen Vorschriften verstoßen.

Landowsky und die weiteren Angeklagten haben die Untreue-Vorwürfe bestritten. Ab Freitag werden die Verteidiger ihre Sicht der Dinge darlegen. An der Überzeugung von Landowskys Verteidiger konnte die Anklägerin offenbar nicht rütteln. „Ich bin überzeugt, dass mein Mandant freigesprochen wird“, sagte Wolfgang Müllenbrock.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben