Neun Jahre nach dem Tod : Klaus Wowereit ehrt Harald Juhnke

Er war einer der größten Entertainer Berlins, der Mann mit der Peking-Ente, aber auch ein starker Trinker. Neun Jahre nach seinem Tod wird an Harald Juhnke erinnert. Und alle kommen – nicht nur der Regierende Bürgermeister.

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Sein Leben fand auf der Showtreppe statt: Harald Juhnke. Legende, Entertainer, echte Berliner Type. Und schwer krank.Weitere Bilder anzeigen
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07.06.2014 15:13Sein Leben fand auf der Showtreppe statt: Harald Juhnke. Legende, Entertainer, echte Berliner Type. Und schwer krank.

Es gibt viele Orte in Berlin, an denen man eine neue Gedenktafel für Harald Juhnke aufhängen könnte. Beispielsweise an der ehemaligen Städtischen Frauenklinik in der Charlottenburger Pulsstraße, wo er am 10. Juni 1929, am Dienstag vor 85 Jahren, geboren wurde. Aber den Ort hat er mit zu vielen Berlinern gemeinsam, das wäre wohl nicht das Rechte.

Auch das Mietshaus in der Stockholmer Straße 29 in Gesundbrunnen bietet sich an, wo Juhnkes Eltern lebten und er aufwuchs. Doch da hängt schon seit einigen Jahren eine vom Hauseigentümer finanzierte Aluminiumtafel, die das Gebäude allerdings fehlerhaft als Geburtshaus des Schauspielers und Entertainers ausweist.

Die Adresse seines Wohnhauses gehörte angeblich zur Taxi-Prüfung

Originell wäre der Breitscheidplatz, wo Juhnke 1983 vor einem Riesenpublikum zum Einlösen einer verlorenen "Wetten, dass…?"-Wette eine öffentliche Aerobic-Stunde zelebrierte, im schwarzen Trainingsanzug und mit weißen Knieschützern, assistiert von einer Handvoll dekorativer Mitturnerinnen. Die diversen Theater und sonstigen Orte, an denen er seine Triumphe feierte, würden als Adressen für solch eine Tafel einleuchten, beispielsweise das Maxim-Gorki-Theater, wo Juhnke 1948 zum ersten Mal auf der Bühne stand und 1996 als "Hauptmann von Köpenick" überschwänglich gefeiert wurde. Dann wären da leider auch die Bars, in denen er sich am liebsten einkehrte - aber das wäre dann ebenso pietät- wie geschmacklos.

Bleibt die Adresse Lassenstraße 1/ Ecke Koenigsallee in Grunewald. Einst der Sehnsuchtsort unzähliger Juhnke-Fans, letzte Chance für glücklose Autogrammjäger, die am roten Teppich mal wieder leer ausgegangen waren. Ja, sie soll sogar Teil der Taxi-Prüfung in West-Berlin gewesen sein. Juhnke wohnte dort von 1983 bis 2001, dann ging es angesichts seiner Alkoholkrankheit wirklich nicht mehr weiter und er musste in ein Pflegeheim. Sein Haus, eine weißverputzte Villa aus den dreißiger Jahren, gibt es nicht mehr, es wurde 2008 verkauft und fünf Jahre später vom neuen Eigentümer abgerissen.

Dienstag, 13 Uhr, wird die neue Tafel enthüllt

Jetzt steht dort ein schickes, durch seine runden Formen sich vom alten Villenstil abgrenzendes Mehrfamilienhaus mit schmalem Vorgarten, und genau dort erhält Harald Juhnke, neun Jahre nach seinem Tod im Krankenhaus von Rüdersdorf, mit Zustimmung des Hausbesitzers endlich die verdiente "Berliner Gedenktafel" in KPM-Porzellan, weiß mit kobaltblauer Schrift, angebracht an einem Eisengestell. Sie hängt schon dort, mit Pappe verdeckt, erst am Dienstag um 13 Uhr wird sie durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) enthüllt. Sein neuer Staatssekretär für Kultur, Tim Renner, ist dabei, selbstverständlich auch die Witwe Susanne Juhnke.

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