Berlin : Neunjährige missbraucht: Polizei fahndet nach Serientäter

Tanja Buntrock[Werner Schmidt],Werner Schmidt

Kreuzbergs Eltern sind in Angst. Am Montagnachmittag verging sich ein unbekannter Sexualtäter an einem neun Jahre alten Mädchen. Am Dienstagnachmittag verschwand die 13 Jahre alte Andrea N. auf dem Weg vom Hermannplatz zum Kottbusser Damm - es ist der gleiche Weg, auf dem am 28. November 2000 die 12-jährige Sandra Wißmann spurlos verschwand. Die Polizei hofft nun, dass die 12-Jährige keinem Verbrechen zum Opfer fiel. Beide Fälle wurden erst gestern bekannt.

Die Neunjährige wurde am Montagnachmittag Opfer eines schätzungweise 25 bis 30 Jahre alten Mannes. Der Täter sprach das Mädchen auf der Straße an. Er nutzte offenbar die natürliche Neugier des Mädchens aus und lockte es in den Keller eines Hauses an der Grimmstraße. Dort verging sich der Unbekannte an dem Kind. Nach ihrer Freilassung erzählte das Mädchen ihrer Mutter von dem Missbrauch. Vom Täter fertigte die Polizei zwei Phantombilder an: Eines mit Brille, wie ihn ein Zeuge beschrieb und einmal nach der Beschreibung des Opfers ohne Brille.

Die Polizei hielt sich gestern zum Schutz des Kindes mit Einzelheiten zu dem Fall sehr zurück. Aber offenbar wurde das Mädchen nicht vergewaltigt. Es sei nicht verletzt, hieß es. Es steht aber offenbar noch immer unter Schock. Die Ermittler vom Landeskriminalamt schließen nicht aus, dass es sich bei dem Unbekannten um einen Serientäter handelt, der bereits mehrere derartige Taten beging und auch nicht davor zurückschrecken wird, weitere Kinder zu missbrauchen. Der Gesuchte wird als etwa 1,80 Meter groß, mit kurzgeschnittenen, leicht welligen und dunklen Haaren beschrieben. Zeitweise trug er eine Hornbrille. Bekleidet war er mit einer blauen Jeanshose, einer dunklen Bundjacke und weißen Schuhen mit schwarzen Verzierungen. Auffallend an dem Täter war sein lückenhaftes Gebiss. Bereits im Juni 1997 suchte die Polizei nach einem Serienvergewaltiger, der insgesamt 17 Mädchen zwischen 7 und 14 Jahren missbraucht hatte. Die dürftige Beschreibung des Täters passt auch auf den jetzt Gesuchten: 1,80 Meter groß, dunkle, wellige Haare. Und seine Opfer hatte er sich außer in Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain auch in Kreuzberg gesucht.

Im Fall der verschwundenen 13-Jährigen ist den Ermittlern als Erstes der auffallende örtliche Zusammenhang mit der verschwundenen Sandra Wißmann aufgefallen. Andrea N. aus der Böcklerstraße wurde zuletzt am Dienstag um 16.30 Uhr auf dem Weg vom Hermannplatz zum Kottbusser Damm gesehen - auf dem selben Weg verschwand Sandra am 28. November 2000 - seitdem fehlt jedes Lebenszeichen von ihr. Gestern suchte die Polizei mit Lautsprecherdurchsagen nach dem Mädchen und möglichen Zeugen. Danach meldete sich ein Mann, der Andrea am Mittwochnachmittag in einem nahe gelegenen Park gesehen haben will. Dies ließ bei den Ermittlern Hoffnung aufkeimen, dass das Kind kein Opfer einer Straftat wurde. Weitere Spuren der Vermissten gab es am Abend noch nicht. Zwar habe die nur 1,48 Meter große und kindlich wirkende Andrea N. bereits die Schule geschwänzt, sei aber bisher nie von zu Hause weggelaufen, teilte die Polizei mit.

Das Mädchen ist schlank, hat schulterlange, leicht gewellte, dunkelbraune Haare, braune Augen, trägt möglicherweise eine Zahnspange und hat Ohrlöcher. Bekleidet war sie mit einem hell-lila-farbenen Anorak mit Kapuze und Reißverschluss, dunklen Jeanshosen und Nike-Turnschuhen. Sie trug einen silberfarbenen Rucksack mit lila-schwarz aufgesetzten Seitentaschen und zwei Schlüsseln an einem Ring. Besonderes Merkmal ist eine lebende Maus, die sie bei sich hat. Hinweise nimmt die Polizei unter den Telefonnummern 699 32 72 58/40/41 entgegen.

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