Berlin : NEUORIENTIERUNG

Schmus und Ordnung. So stellen wir uns den Polizeidienst vor. Foto: dpa
Schmus und Ordnung. So stellen wir uns den Polizeidienst vor. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Ach, liebe Leserinnen und Leser, wo soll das alles enden: Die Menschen werden immer blöder, Flughafenbau wird unmöglich, und jetzt sind auch noch die Bewerber der Polizei „dumm, lahm und faul“, um mal unsere eigene Zeitung zu zitieren. „Dumm, lahm und faul – können die dann nicht bei ,Mehr Berlin’ anfangen?“, schallt es nun aus der Online-Redaktion herüber. Wir ignorieren das geflissentlich – und arbeiten weiter an unseren Bewerbungen für eine Stelle im Polizeidienst:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erhalten Sie eine Sammelbewerbung für wie auch immer geartete Tätigkeiten im Berliner Polizeidienst. Als einigermaßen rechtschreibsichere Stadtbewohner mit solider Fahrradfahrer-Fitness halten wir uns – gemessen an dem, was sich Ihnen offenbar sonst so an die Uniformbluse wirft – in besonderer Weise für qualifiziert, Sicherheit und Ordnung

in einem diffizilen Gemeinwesen wie Berlin herzustellen.

In unserer bisherigen Laufbahn als Vollzugsorgane der sogenannten „vierten Gewalt“ haben wir mehrfach bewiesen, wie man diese (Gewalt) stets zugleich zielführend und dosiert ausübt. Angesichts der Krise des Printjournalismus erscheint uns eine Neuorientierung in Richtung des Polizeidienstes daher sowohl für uns als auch für die Allgemeinheit absolut sinnvoll, wenn nicht gar: angemessen.

Unsere Kompetenzen erscheinen uns dabei unzweifelhaft: Kommunikativ, kontaktstark und belastbar nehmen wir es mit jedem auf – vom pöbeligsten Punk bis zum renitentesten Rentner. Die Fähigkeit, in absolut unübersichtlichen Situationen Durchblick zu heucheln, bringen wir ebenso mit wie ein brauchbares Repertoire an wahlweise einschüchternden oder beruhigenden Phrasen. Als rettungslose Tierliebhaber sind wir daneben für den Einsatz in Hunde- oder Reiterstaffeln besonders geeignet.

Unsere Gehaltsforderungen sind mehr als maßvoll, solange unsere Ergüsse in einer Hauspostille zum Abdruck kommen. Lassen Sie uns zum Schluss noch anführen, dass die aktenkundigen Hinweise auf etwas zu viel – äh – Spaß (Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz) und etwas zu wenig Respekt vor Neonaziaufmärschen (Landfriedensbruch) aus einer Zeit rühren, in der wir noch nicht wussten, dass wir eigentlich geborene Polizisten sind!

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören – bitte beachten Sie auch das Best-of unserer Law-and-Order-Texte im Anhang.

Mit freundlichem Gruß,

Ihre Mehr-Berlin-Redaktion

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