• Neustart des Jonny K.-Prozesses in Berlin: Erster Zeuge muss seine Aussage wiederholen

Neustart des Jonny K.-Prozesses in Berlin : Erster Zeuge muss seine Aussage wiederholen

In der Neuauflage des Prozesses um die tödliche Prügelattacke gegen Jonny K. musste der erste Zeuge seine Aussage wiederholen. Der 29-Jährige belastete Onur U. und weitere Angeklagte  

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Der Prozess um die Prügelattacke auf Jonny K. beginnt von vorn. Die Zeugen müssen nun die Aussagen wiederholen. Foto: Tim Brakemeier/dpa
Der Prozess um die Prügelattacke auf Jonny K. beginnt von vorn. Die Zeugen müssen nun die Aussagen wiederholen.Foto: Tim Brakemeier/dpa

Langsam ging Gerhardt C. auf den Zeugenstuhl zu. Ein schwerer Gang. Der 29-Jährige musste ihn am Montag zum zweiten Mal bewältigen. „Es ist furchtbar, dass es wieder von vorn losging“, sagte er. Jeden Tag sehe er das Gesicht seines Freundes Jonny K. vor sich. Nun musste er sich wieder den vielen Fragen stellen, jede Szene der Prügelattacke aufrufen, bei der Jonny K. tödlich verletzt wurde. Aber der Prozess war im ersten Anlauf geplatzt. Ein verärgerter Schöffe hatte mit unangemessenen Äußerungen für den Wirbel gesorgt. Gerhardt C. belastete nun erneut Onur U. und Mitangeklagte.

„Er war am aggressivsten, er schlug als Erster zu“, sagte Gerhardt C., genannt Kaze. „Ich sah, wie der Kreis um Jonny immer enger wurde, sie haben von allen Seiten auf ihn eingeschlagen.“ Doch dann überraschte der wichtigste Zeuge, der im ersten Prozess gegen die sechs mutmaßlichen Schläger vor zwei Wochen nur auf den 19-jährigen U. gezeigt. Nun ging sein Arm auch zu weiteren Angeklagten. „Der in der Mitte schlug dann ein Mal zu.“ Gemeint war Melih Y. Nur an einen der sechs Angeklagten könne er sich nicht erinnern, sagte C. Als ihm Polizisten kurz nach der Tat Fotos vorgelegt hatten, konnte er keinen der Männer identifizieren. „Die Konstellation ist dieselbe, nun sind Gesichter wiedergekommen“ erklärte er.      

Prozessbeginn im Fall Jonny K.
Seit Mitte Mai müssen sich die sechs Angeklagten im Fall Jonny K. vor Gericht verantworten. Sie sollen Jonny K. im Oktober 2012 in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes mit Tritten und Schlägen attackiert haben. Kurz danach erlag das Opfer seinen Gehirnblutungen. Seine Schwester, Tina K., wohnt dem Prozess bei. „Ich will wissen, wer schuld ist“, sagte die 28-Jährige vor Prozessbeginn. Foto: ReutersAlle Bilder anzeigen
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13.05.2013 13:26Seit Mitte Mai müssen sich die sechs Angeklagten im Fall Jonny K. vor Gericht verantworten. Sie sollen Jonny K. im Oktober 2012 in...

Gerhard C., seit vielen Jahren auch der Freund der Schwester von Jonny K., war bei der Prügelattacke in der Nacht zum 14. Oktober am Alexanderplatz schwer verletzt worden. Onur U. hatte massiv auf ihn eingeprügelt. Zehn bis zwölf Mal, gab U. zu. C. erlitt mehrere Knochenbrüche, zwei davon im Gesicht. Es war ein Angriff wie aus dem Nichts. C. und Jonny K. kamen mit weiteren Freunden von einer Party. C. wollte einen Betrunkenen absetzen. Onur U., der mit einer anderen Gruppe ebenfalls auf dem Heimweg war, soll den Stuhl weggezogen haben. Als Jonny K. fragte, was das soll, prügelte U. nach Aussage von Gerhardt C. sofort los.

Die Angeklagten, 19 bis 24  Jahre alt, haben zwar die Beteiligung an der Prügelei zugegeben, doch keiner will schuld am Tod von Jonny K. sein. Sie gaben einen Tritt oder einen Schlag zu, durch den der Schüler aber nicht gestürzt und keine Kopfverletzungen erlitten habe. Onur U., der als Hauptangeklagter gilt, will Jonny K. nicht einmal wahrgenommen und „nur“ C. geschlagen haben. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

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