Berlin : Neustart für den Zug zum Flughafen Pläne für Dresdner Bahn: Kein Tunnelbau geplant

Klaus Kurpjuweit

Nach Jahren des Stillstands kommt jetzt wieder Bewegung in den Wiederaufbau der Dresdner Bahn. Die Eisenbahnstrecke durch Marienfelde und Lichtenrade soll nicht nur eine schnelle Verbindung Richtung Sachsen und Tschechien ermöglichen, sondern ist auch für den Flughafen-Express vorgesehen. Dieser soll einmal den künftigen Hauptbahnhof mit dem Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in gut 20 Minuten Fahrtzeit verbinden; Baukosten: 437 Millionen Euro.

Die Pläne sind ab heute bis zum 22. September im Gemeinschaftshaus Lichtenrade (Lichtenrader Damm 212) ausgelegt. Dabei bleibt es im Wesentlichen bei der von der Bahn von Anfang an gewollten Variante: die Gleise für den Fern- und Regionalverkehr sollen parallel zur S-Bahn ebenerdig gebaut werden. Die Bahnübergänge an der Säntisstraße und der Bahnhofsstraße in Lichtenrade werden durch Unterführungen für den Autoverkehr ersetzt; am Übergang Golzstraße bleibt nur noch eine Fußgängerbrücke.

Im jetzigen Verfahren, das nach Angaben eines Bahnsprechers wegen der jahrelangen Verzögerung angepasst werden musste, ändert die Bahn vor allem die ursprünglichen Lärmschutzmaßnahmen. Auf ein „besonders überwachtes Gleis“, das häufiger instand gesetzt wird als ein herkömmliches, will sie verzichten. Weil mehr Nachtfahrten vorgesehen sind, sollen mehr Häuser mit Lärmschutzfenstern ausgestattet werden. Und einen besonderen Erschütterungsschutz soll es nur noch bei den Fernbahngleisen geben; bei der S-Bahn verzichtet die Bahn jetzt darauf.

Seit Jahren fordert eine Bürgerinitiative den Bau eines Tunnels für die Fernbahn. Die vorgesehenen Lärmschutzwände in Lichtenrade würden den Ort teilen – wie einst die Mauer Ost- und West-Berlin trennte, kritisiert Boto Mertins von der Initiative. Nur wären die Lärmschutzwände höher als die frühere Mauer. Jahrelang hatte sich der Senat für die Tunnelpläne der Bürgerinitiative eingesetzt und dafür Geld zurückgelegt, das für den Ausbau von Gleisanlagen vorgesehen war. Mehrfach hatten auch unterschiedliche Bundesverkehrsminister in internen Geprächen dem Senat zugesagt, die Mehrkosten für einen Tunnel zu übernehmen. Heute ist davon keine Rede mehr.

Weil sich Bahn und Senat nicht einigen konnten, ließ die Stadtentwicklungsverwaltung die eingereichten Pläne der Bahn einfach liegen und blockierte damit mehrere Jahre das Planungsverfahren. Erst 2004 war der Senat dann bereit, das Verfahren mit der ebenerdigen Variante fortzusetzen. Ob am Ende doch ein Tunnel gebaut wird, soll sich nun im Planfeststellungsverfahren oder spätestens vor Gericht entscheiden.

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