Berlin : New York: Und morgen ein Termin beim Kanzler

sabrina Born

Jeder Tag ist anders. Beim Zugfahren, Einkaufen oder Essen gehen - "die Menschen sind näher aneinander gerückt." Der Anschlag auf das World Trade Center hat das Leben des New Yorker Schülers Mahdie Shaddkanfarrokhi völlig verändert. "Das Verhältnis zu meinen Eltern, zu meinen Freunden ist viel enger geworden. Wir sind einfach froh, das Unglück überlebt zu haben." Der 16-Jährige war in der Schule, als das zweite Flugzeug in die Gebäude raste. Ähnlich geht es Natasha Mceachrou. "Ich lebe viel bewusster als früher", sagt die 15-Jährige. Beide gehören zu den 25 New Yorker Jugendlichen, die seit gestern auf Einladung des Bundeskanzlers in Berlin sind.

Die 15- bis 18-Jährigen stammen aus vier Schulen, die in unmittelbarer Nachbarschaft des World Trade Centers lagen. Bis heute können einige Jugendliche nicht in ihr eigentliches Schulgebäude zurü ckkehren. "Erst hieß es, wir könnten im Dezember wieder hinein. Doch wir warten noch immer", sagt Mahdie Shaddkanfarrokhi. Jetzt hofft er auf eine Rückkehr nach der Deutschlandreise. Berlin ist für die Jugendlichen die zweite Station des zehntägigen Deutschlandbesuchs. Insgesamt sollen 1000 Schüler aus New York in den nächsten Monaten im Rahmen des Projekts "Brücke New York - Berlin" nach Deutschland kommen.

Bereits am Sonnabend waren die Schüler in Stuttgart gelandet. In Berlin sind sie seit gestern zu Gast. Etwas verschlafen von den ersten Besuchstagen, aber dennoch begeistert zeigten sich die Jugendlichen gestern im Anschluss an eine Führung durch das Reichstags- Gebäude. "Die begehbare Kuppel ist wirklich einzigartig", staunte Natasha Mceachrou. "Ich bin total überrascht von der landschaftlichen und architektonischen Vielfalt und Schönheit des Landes." Neugierig sind die Schüler auch auf das weitere Programm. Sie wollen die deutsche Geschichte und Kultur bei ihrer Reise kennen und verstehen lernen. "Ich möchte möglichst oft mit Deutschen sprechen. Darüber, wie sie den Anschlag hier erlebt haben, und über die Folgen aus ihrer Sicht", sagt Himanshu Suri (16). So könne wirklich eine Brücke zwischen der Stadt New York und Deutschland entstehen.

Die nächsten Tage in Berlin geben dazu reichlich Gelegenheit. Heute startet Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) mit den Schülern das Kunstprojekt "Die Brücke für Hoffnung und Frieden", bei der ein mobiles Wandbild entstehen soll. Danach ist ein Treffen mit dem Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Vollmer (Grüne) geplant. Am Dienstag steht ein Treffen mit Schülern der Gustav-Heinemann-Oberschule in Marienfelde auf dem Programm. Und Bundeskanzler Gerhard Schröder will sich am Dienstagabend Zeit für seine Gäste nehmen. Erst am Mittwoch zieht die Gruppe weiter nach München, Heidelberg und Stuttgart.

Die zweite Besuchergruppe mit 120 New Yorker Schülern wird vom 26. bis 8. April erwartet. Dabei ist auch der Aufenthalt in deutschen Gastfamilien vorgesehen. Weitere Jugendliche haben ihren Deutschlandbesuch für die Sommerferien angekündigt. Die Kosten übernimmt größtenteils die deutsche Wirtschaft. Koordinator des Besuchsprogramms ist Daimler- Chrysler.

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