Berlin : Nicht alles bare Münze

Helmut Caspar

Über den Euro wird auch schon viel gesprochen, aber noch ist er selbst bei der "Numismata" eine vielbestaunte Seltenheit. Aber die gewohnten Mark und Pfennig reizen immer mehr die Sammler. Zum dritten Mal wird an diesem Wochenende die internationale Numismatik-Messe unterm Funkturm veranstaltet. Zu dem Treffen, das am Freitag begann, sind etwa 160 Händler aus dem In- und Ausland gekommen. Heute ist der Eintritt frei. Erwartet werden über 4000 Besucher.

Das wären nach Worten des Veranstalters Erich Modes, eines Münzhändlers aus München, viermal so viel wie 1999, als die Münzmesse zum ersten Mal mit mäßigem Erfolg stattfand. Mit dem Treffen sei eine alte Tradition wiederbelebt worden.

Schon in den siebziger Jahren hatten sich Münzsammler und -händler unterm Funkturm zusammen gefunden, um zu gucken, zu prüfen und zu kaufen. Auch in diesem Jahr decken sich Interessenten - Händler wie Sammler - mit alten Münzen, Geldscheinen, Wertpapieren, Medaillen, Orden, Marken und Zeichen ein. Überall sieht man sie - mit Lupen bewaffnet - wie sie bis zu 2000 Jahre alte Ware prüfen, denn natürlich sind auch Münzen der Griechen und Römer im Angebot.

Die Ausstellung mit ihrem zum Teil recht preiswerten Groschen, Talern, Markstücken sowie Medaillen und zahlreichen anderen numismatischen Zeugnissen verdient in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit, weil sie fast unmittelbar vor der Einführung des Euro-Bargeldes Anfang nächsten Jahres veranstaltet wird.

Am Stand der fünf deutschen Münzprägeanstalten kann man die ersten Originale schon mal hin und her wenden. Dicker sind sie und schwerer als unsere Pfennige und Markstücke, die nun Auslaufmodelle sind und daher auch die Sammler reizen. Manfred Czastka, Falschgeldexperte der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main, stellt Besucher auf die Probe. Welche Fünfmarkstücke sind echt, welche nachgeprägt? Richtig, denjenigen Stücken, die auf den Magneten reagieren, weil sie aus dem Dreischichtenwerkstoff "Magnimat" bestehen, kann man vertrauen, die anderen sind dubiose Machwerke. Bei den neuen Euromünzen sind die Verhältnisse ähnlich, auch sie haben eine schwer nachzuahmende Zusammensetzung.

Manche Neugierige zieht es in die Ausstellung, weil sie mehr über ihre "Schlafmünzen" wissen wollen. Am Stand eines Verlages liegt reichlich Literatur bereit - Kataloge mit Angaben über die deutschen Münzen seit Gründung des Kaiserreichs 1871 und solche mit detaillierten Angaben über Varianten, Auflagen und Seltenheiten. Mike Rössler aus Neukölln ist enttäuscht. Er hatte gehofft, für einen bestimmten Fünfziger mit der Aufschrift "Bank deutscher Länder" 2000 Mark zu bekommen. So hatte es eine Plakataktion versprochen. Ein Blick ins Buch sagt ihm aber, dass nur die Ausgabe von 1950 aus der Münze in Karlsruhe diesen Preis erreicht. Das mitgebrachte Stück indes ist von 1949, als es diese Bank noch gab, und dafür kann sich der Besucher wenigstens ein Eis kaufen. Dennoch kommt unter den Schlafmünzen manche Rarität vor, sagt der Berliner Münzhändler Wolfgang Mehlhausen, doch sei das wie ein Sechser im Lotto.

Experten müssen sich auch am heutigen Sonntag auf viele knifflige Fragen über Wert und Seltenheit alter und neuer Münzen gefasst machen. Und vielleicht, so hoffen sie, entwickeln sich aus den Zaungästen wirklich mal richtige Sammler. Anregungen gibt es auf der "Numismata" reichlich.

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