Berlin : Nicht alles ist Pech, wasschwarzist

Nach der Fusion: Die Stimmung in Hermsdorf ist besser als gedacht

Andreas Willer

Der Himmel über Hermsdorf hat sich gerade zugezogen, da strömen über hundert Katholiken teils hastig, teils bedächtig in die Kirche Maria Gnaden am Hermsdorfer Damm. Sie füllen die Kirchenbänke bis auf den letzten Platz an diesem dritten Sonntag in den Sommerferien – von Urlaubsruhe keine Spur.

Die Kirche ist vermutlich aber auch deshalb so voll, weil wegen der finanziellen Krise des Berliner Bistums in Reinickendorf drei Gemeinden zusammengelegt wurden: Maria Gnaden, Christkönig in Lübars und Regina Mundi in Waidmannslust. Vor einem Jahr wurde die Kirchentür von Regina Mundi geschlossen, das Bistum sucht seitdem einen Käufer. Nun teilen sich die drei Gemeinden sonntags zwei Kirchen. Einige Gläubige konnten sich damals nur sehr schwer von ihrer Kirche trennen.

Heute ist die Stimmung in der fusionierten Kirchengemeinde aber wieder zuversichtlich, sagt Elisabeth Tiede. Sie ist seit 25 Jahren in der Kirchengemeinde Maria Gnaden. „Insgesamt ist die Fusion für unsere Kirchengemeinde ganz gut gelaufen“, resümiert auch Pfarrer Niklas Weinges. Seine Schäfchen haben sich ganz gut auf die übrig gebliebenen beiden Kirchen verteilt.

So wie eben nicht immer alles so schlimm kommt, wie man auf den ersten Blick denkt, kann sich umgekehrt aber auch Schönes, Glänzendes als bloßer Schein entpuppen. Wie wichtig es deshalb ist, genau hinzuschauen, darum geht es auch in der Predigt. Pfarrer Weinges spricht über einen Text aus dem Matthäus-Evangelium, das Gleichnis vom Unkraut zwischen dem Weizen. Er muss sich anstrengen, um sich gegen das Schreien und Juchzen der jüngsten Gottesdienstbesucher durchzusetzen.

Das Gleichnis handelt von Bauern, die Unkraut im Weizenfeld jäten wollen. Gott rät ihnen, damit bis zur Ernte zu warten, weil sich der Unterschied zwischen Unkraut und Weizen schlecht erkennen lässt, solange die Pflanzen klein sind – erst, wenn sie höher gewachsen sind, tritt der Unterschied klar zutage.

Weinges überträgt das Gleichnis in die Gegenwart , zieht Parallelen zur globalen Erwärmung. Wir würden das schöne Wetter zunächst als etwas Angenehmes empfinden. Für Natur und Mensch sei es jedoch in letzter Konsequenz verhängnisvoll. „Es ist nicht einfach zu unterscheiden, was gut und was schlecht ist“, folgert der Pfarrer. Vieles, was sich zunächst als ein Segen erweist, kann zum Verhängnis werden. Etwa, wenn Menschen Freiheit nur als Freiheit für sich verstehen und nicht als Freiheit auch der Anderen.

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