Berlin : "Nicht Fisch, nicht Fleisch": Zwei Identitäten und ein Loch in der Biographie

Tanja Buntrock

Eine Kleinstadt im Schwarzwald. Hier ist Michael zu Hause. Als Baby aus Korea adoptiert und als Deutscher in der Provinz aufgewachsen, lebt Michael mit zwei Identitäten. Zwar wird er von seinen Freunden akzeptiert, doch sein Äußeres erinnert ihn immer öfter daran, dass ein Loch in seiner Biographie klafft. Durch die Trennung seiner Adoptiveltern ist er plötzlich auf sich allein gestellt, er flüchtet zu einem Freund nach Berlin. Durch Zufall begegnet er dort der jungen und traditionsbewussten Koreanerin Jin Hi und verliebt sich in sie. Doch auch innerhalb der koreanischen Gemeinde muss Michael feststellen, dass er immer ein "Adoptierter" bleiben wird.

Das ist die Handlung von "Nicht Fisch, nicht Fleisch", dem Abschlussfilm des Filmhochschülers Matthias Keilich. Viva 2-Moderator Ill-Young Kim, der die Hauptrolle in der ZDF-Koproduktion spielt, reizt die "tiefgründige Rolle" des jungen Koreaners, dessen Charakter geprägt ist von Verlustängsten. "Ich denke, dass es vielen Koreanern hier ähnlich geht", sagt der 27-Jährige. Dem Regisseur und Absolventen der Berliner Hochschule für Film und Fernsehen Matthias Keilich ist die Idee durch einen Bekannten gekommen, der ein adoptierter Koreaner ist. Als dann die Unterschriftenaktion der CDU in Hessen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft stattfand, habe er sich überlegt, einen Film zu machen, der diese Problematik aufgreift. "Was bedeutet Deutsch sein?", diese Frage beschäftigt mich noch immer, denn ich weiß es nicht", sagt Keilich. Auch solle der Film nicht in erster Linie als "koreanischer Problemfilm" betrachtet werden, sondern im weitesten Sinne die Frage nach Identität aufgreifen und die Unsicherheiten aufzeigen, die fast jeder hat, der sich damit auseinandersetzt. Wie Michael seinen eigenen Konflikt löst, ist im Frühjahr 2002 im ZDF in der Reihe "Kleines Fernsehspiel" zu sehen.

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