Berlin : Nicht heimisch genug: Roteichen im Grunewald gefällt

Christian van Lessen

Wäre das Sägewerk an der Koenigsallee nicht geschlossen worden, könnte sich Besitzer Ralf-Dieter Duckstein über viel Rohstoff freuen. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft war gerade Grunewalder Holzaktion. Massenweise wurden Bäume gefällt, die meisten sind schon zersägt und abtransportiert. Der Wald in Richtung Hüttenweg ist stark gelichtet. Die Berliner Forsten haben den seit Jahren größten Einsatz gegen die amerikanische Roteiche hinter sich gebracht.

Marc Franusch von der Forstverwaltung spricht von „intensiven Pflegemaßnahmen“, die der naturnahen Entwicklung des Waldes zugute kommen sollten. Vor allem die südliche Seite der Avus, der Bereich Hüttenweg und die Krumme Lanke seien betroffen. Im letzten Monat habe man nur noch unter „strenger Orientierung an den Brutzeiten“ abgeholzt.

Die Forsten begründen die Aktion damit, dass die großkronige Roteiche „eher fremd“ in den heimischen Wäldern sei. Der Baum, auch an Straßenrändern weit verbreitet, spende viel Schatten und nehme im Wald anderen jungen Bäumen das Licht. Er wirke auf Insekten abstoßend, passe nicht ins heimische Ökosystem, mache die Wälder steril.

Von „Kahlschlägen“ wolle man aber nicht sprechen. Die Roteiche werde noch über mehrere Jahrzehnte im Wald bleiben. Die gefällten Holzbestände – es geht um rund 3000 Kubikmeter – sind nach Auskunft der Forstverwaltung schon verkauft. Ein holzverarbeitender Betrieb habe das Fällen bezahlt, die Kosten würden mit dem Holzpreis verrechnet. Der Markt sei günstig. Aus Roteichen werden beispielsweise Pakettfußböden gemacht.

Franusch verweist auf ständige Kontakte mit den Naturschutzverbänden, auf Zertifikate der Forstbehörde für ökologische Waldwirtschaft. Vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist in diesem Fall auch keine Kritik an der Fällaktion zu hören. Die Roteiche sei ein Problem, bestätigt Wald-Expertin Angela von Luerthe, wie etwa auch die spätblühende Traubenkirsche.

Fürs Sägewerk – es war das letzte in Berlin – kommt der Holzsegen zu spät. Duckstein gab den Betrieb Ende 2003 auf, zog mit seinem „Sägewerk Grunewald“ nach Güterfelde. Das forsteigene Gelände verwildert. Was aus ihm wird, ist noch unklar. Das Werk hatte sich zuletzt nicht mehr gerechnet, dem Pächter wurden die Gebühren der Forstverwaltung zu hoch.

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