Berlin : Nicht kleckern!

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies analysiert das Ernährungsverhalten von Hans Eichel

Es ist schon für den normalen Politiker schwer, sich in der Krise überhaupt irgendwie zu verhalten. Trinkt er Champagner, rechnen wir ihn zu den losen Leichtfüßen, die keine Ahnung vom Elend ihrer Wähler haben und offenbar zu viel Geld verdienen. Geht er zu Bier und Leitungswasser über, nennen wir ihn einen populistischen Heuchler, der die Konsumfreude untergräbt. Und das gilt nur für die normalen Politiker; von den Finanzministern erwarten wir geradezu, dass sie die Enthaltsamkeit eines Franziskanermönchs mit der Präzision eines Hauptbuchhalters verbinden und gleichzeitig innig den nachhaltigen Konsum pflegen.

Hans Eichel, unser oberster Konkursverwalter, ist diesem Ideal schon recht nahe. Mit einer Kaviardose können wir ihn uns allenfalls bei einer Pressekonferenz der Zollfahndung vorstellen, das adäquate Fortbewegungsmittel für ihn wäre, abgesehen vom Dienstwagen, ein rostiges Fahrrad, und in der Kantine gehört er garantiert zu jenen, die immer das Stammgericht ohne Getränk und Dessert bestellen.

Aber was heißt Kantine? Zeit ist Geld, und deshalb findet Eichels typisches Mittagessen an der DönerBude statt. Pizza Spinat! Kostet praktisch nichts, ist fettarm und vegetarisch, und die Autokolonne kann sich nach wenigen Minuten zum nächsten Termin bewegen. Und weil der Minister alle paar Tage kommt, setzt er ein Signal der reinen Konsumlust: Leute, heißt das, man kann sich regelmäßiges Essen immer noch leisten.

Er könnte freilich auch Döner essen. Doch dabei bekleckert man sich leicht – und dann könnte es zu Flecken kommen, und alle würden merken, dass der Minister womöglich immer den gleichen Anzug trägt. Und das wäre ein schlechter Konsumanreiz.

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