Berlin : „Nicht mal ein Zehntel des Bedarfs“

Matthias Reich, Professor für Tiefbohrtechnik an der Bergakademie Freiberg, über die Pläne für eine Erdölförderung in Brandenburg.

Foto: promo
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Herr Reich, das Unternehmen Central European Petroleum (CEP) will ab 2017 in der Lausitz zehn Millionen Tonnen Erdöl fördern. Ist Brandenburg dabei, ein arabisches Erdöl-Emirat zu werden?

Man muss dazu sehen, wie viel Öl in Deutschland überhaupt verbraucht wird. Grob geschätzt sind das etwa 100 Millionen Tonnen. Davon produzieren wir in Deutschland rund 2,5 Millionen Tonnen selbst – mit fallender Tendenz. Das meiste kommt aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein, vor allem aus dem Mittelplate-Feld, der einzigen deutschen Bohrinsel. Zehn Millionen Tonnen entsprechen zwar einer vierjährigen Produktion in Deutschland, sind aber noch nicht mal ein Zehntel des deutschen Jahresbedarfs. Die Pläne in Brandenburg machen Deutschland also sicherlich nicht zu einem Ölland.

Wo kommt das Öl her?

Man geht davon aus, dass das Öl aus organischem Material entstanden ist. Vor vielen Millionen Jahren standen an der Stelle möglicherweise Urwälder. Pflanzliche Reste, aber auch anderes organisches Material wurden dann vielleicht von Schlamm überspült und so vom Sauerstoff abgeschnitten. Durch Bewegungen der tektonischen Platten sind die Substanzen dann in die Tiefe gebracht worden. Dort verwandelte sich das Material durch einen Druck von ein paar hundert Bar und eine moderate Backofentemperatur in Kohlenwasserstoffe, also in Öl und Gas. Damit sich aber eine Lagerstätte bilden kann, muss irgendwo ein geologischer Deckel existieren, damit die Kohlenwasserstoffe nicht an die Oberfläche steigen und dort verpuffen, am besten eine Ton- oder Salzschicht. Offenbar stimmen die geologischen Bedingungen in Brandenburg.

Auch das britische Unternehmen Celtique Energies will in Brandenburg Erdöl fördern. Warum interessieren sich die Firmen erst jetzt für brandenburgisches Öl?

Öl aus der Erde zu holen ist meistens technisch äußerst anspruchsvoll und damit sehr teuer. Vor allem bei kleineren Feldern hat sich die Förderung früher oft nicht gelohnt. Doch ständig werden neue Technologien entwickelt, immer effektiver und besser. Deshalb ist es heute oft möglich, Vorkommen zu erschließen, bei denen es sich früher nicht gelohnt hat. Außerdem gibt es heute auch eine viel bessere Technik, neue Lagerstätten zu finden. Zumeist handelt es sich allerdings eher um kleinere Funde. Die Riesenfelder hat man schon in den sechziger Jahren weitgehend entdeckt. Seit den siebziger Jahren verbrauchen wir weltweit mehr Öl, als wir an neuen Vorkommen entdecken.

Lohnt sich denn dann der Aufwand für zehn Millionen Tonnen?

Der Ölpreis ist hoch und das lohnt sich dann schon noch. Derzeit kostet das Barrel, also das Fass Öl, rund 100 Dollar. Was kann man mit dem Öl machen?

Der größte Anteil wird in Deutschland als Heizöl genutzt. Danach kommt das Benzin und der Diesel für den Verkehr. Beides zusammen macht etwa zwei Drittel des Verbrauchs aus.

In der Bevölkerung gibt es auch Vorbehalte gegen die Ölförderpläne. Wie sicher ist die Förderung heutzutage?

Eine hundertprozentig sichere Technologie gibt es nicht. Jeder hat noch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko von vor rund drei Jahren in Erinnerung. Das hat gezeigt, dass nach Öl und Gas zu bohren, nicht immer ungefährlich ist. Aber man muss auch sehen, dass es weltweit zigtausende Bohrungen gibt, bei denen nichts schiefläuft.

Das Interview führte Matthias Matern

Matthias Reich (54) ist Professor für Tiefbohrtechnik an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen. Zuvor war er 16 Jahre lang weltweit in der Erdölbranche tätig.

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