Nicht nur am Alexanderplatz : Wohnhaustürme als Trendprodukt

Der geplante Wohnturm am Alexanderplatz könnte bald Konkurrenz bekommen, denn im Himmel über Berlin ist noch Raum zu haben.

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Mit seiner zentralen Lage und den diversen Sehenswürdigkeiten lockt der Alexanderplatz jährlich tausende von Touristen. Nun soll er auch für Einheimische wieder besonders interessant werden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
13.09.2011 18:25Mit seiner zentralen Lage und den diversen Sehenswürdigkeiten lockt der Alexanderplatz jährlich tausende von Touristen. Nun soll...

US-Investor Hines wird mit seinen Plänen für einen 150 Meter hohen Wohnturm am Alexanderplatz nicht lange allein bleiben – davon ist der Chefanalyst der Beratungsfirma „Bullwien Gesa“ Andreas Schulten überzeugt: „In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden wir richtig viele Wohnhochhäuser in Deutschland bekommen“, sagte er bei der Vorstellung des neuen Berichtes über die „Immobilienmärkte in der Metropolregion Berlin und Potsdam“. In der Region flössen schon heute knapp die Hälfte aller Investitionen in den Wohnungsbau. Appartements in Türmen wie sie am Alexanderplatz oder am Breitscheidplatz gebaut werden dürfen, seien dank ihrer guten Anbindung an die Verkehrsnetze und der kurzen Wege zu Läden und Geschäften attraktiv auch für ältere Immobilienkäufer.

Wie am Montag berichtet, hat der US-Entwickler Hines ein „beschleunigtes“ Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht, das in dem geplanten Turm am nordöstlichen Rand des Alexanderplatzes die Einrichtung von bis zu 400 Wohnungen ermöglicht. Hines Berlin-Chef Christoph Reschke hatte von „großem Interesse“ am Bau eines Wohnturmes gesprochen. Das Hines-Hochhaus ist einer von zehn Wolkenkratzern, die nach dem Masterplan der Architekten Kollhoff und Timmermann am Alexanderplatz eine gemeinsame „Stadtkrone“ bilden sollen.

„Wohntürme sind das Trendprodukt der kommenden Jahre“, sagt Willo Göpel. Mit seiner Firma Urban Spaces hat er eines der ersten innerstädtischen Townhouse-Projekte entwickelt: die Prenzlauer Gärten. Der Umbau von Fabriketagen zu Wohnlofts habe die 90er Jahre geprägt, der Townhouse-Boom die Nullerjahre. Nun folge die Entwicklung von Wohntürmen: An der Andreasstraße in Friedrichshain habe ein Entwickler einen hohen Plattenbau entkernt, mit einer neuen Fassade versehen – und vermiete die Wohnungen für „zehn Euro je Quadratmeter“. Der Umbau des Philips-Hochhauses Kleist- Ecke Martin-Luther-Straße in Schöneberg könnte ein weiteres Wohnhochhaus werden. Aber auch ein Wohnturm auf dem Grundstück des abgerissenen DDR-Gesundheitsministeriums sei denkbar. Die Brache liegt nahe dem Alexanderplatz, hinter dem Cubix-Kino.

Die Manager der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo haben den Trend noch nicht erkannt. Dabei besitzen sie gleich mehrere Grundstücke am Alexanderplatz. Auf einem davon darf die Degewo einen 150 hohen Turm errichten. Doch stattdessen überlässt sie die Planungen der Firma Porr Solutions, die ein nur 65 Meter hohes Hotel- und Geschäftshaus entwickeln wollte. Angekündigt war der Baustart für das vergangene Jahr, die Fertigstellung für das kommende. Warum nichts passiert, will die Degewo nicht verraten. Nach der neuen Bullwien-Gesa-Studie sind Hotelneubauten in Berlin ein stark rückläufiges Geschäft.

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