Berlin : Nicht nur für Preußen-Fans

Nach der Sanierung soll Schloss Schönhausen in Pankow auch als Museum der DDR-Geschichte dienen

Matthias Oloew

In gut einem Jahr geht auch im Pankower Schloss Schönhausen endlich die Nachkriegszeit zu Ende. Wenn sich im August 2009 die Türen für die Besucher öffnen, wird die ehemalige Sommerresidenz von Königin Elisabeth-Christine das erste Mal seit 60 Jahren wieder dauerhaft für Besucher offenstehen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten wird das Haus als Museum nutzen.

8,6 Millionen Euro stehen für die Restaurierung aus verschiedenen Fördertöpfen, der Lottostiftung, der Stiftung Denkmalschutz und der Cornelsen Kulturstiftung zur Verfügung. „Das wird nicht ganz reichen“, sagt Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung. Das Haus werde trotzdem pünktlich öffnen: „Wir haben in Rheinsberg positive Erfahrungen gemacht, wenn die Besucher sehen können, wie das Haus restauriert wird.“

Den grauen Glasbröselputz hat das Schloss inzwischen abgelegt und strahlt mit einem rosa gefärbten Kalkputz. Jetzt können die Wände des Ensembles aus dem 17. und 18. Jahrhundert wieder atmen, gestaute Feuchtigkeit, die der Bausubstanz über Jahre zusetzte, kann entweichen. Auch das kontaminierte Holz, das in den 1960er Jahren mit einem giftigen Schutzmittel gestrichen wurde, ist vollständig ausgetauscht. Dennoch ist erstaunlich viel der historischen Bausubstanz erhalten. „Wenn Sie Rokoko in dieser Qualität sehen wollen, dann müssen Sie schon nach Potsdam fahren“, schwärmt Dorgerloh.

Auch die Mitglieder des Kulturausschusses aus dem Abgeordnetenhaus sind beeindruckt. Sie führt Dorgerloh über die Baustelle und erläutert zugleich das museale Konzept, das, so der Generaldirektor, nicht nur Preußen-Fans, sondern auch das zeitgeschichtlich interessierte Publikum anlocken soll. Denn das Schloss war nicht nur die Residenz der von Friedrich dem Großen geschmähten Elisabeth-Christine, es war im sogenannten Dritten Reich Lagerplatz für die von den Nazis verfemte und aus dem Museen entfernte Kunst, nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck, Gästehaus der Ost-Berliner Regierung und schließlich Tagungsort für den Runden Tisch und Sitzungsstätte von einem der Zwei-plus-vier-Gespräche zur Deutschen Einheit.

Die Preußen-Freunde will die Stiftung vor allem mit der Sammlung Dohna- Schlobitten erfreuen, die große Teile des herrschaftlichen Inventars des alten preußischen Fürstengeschlechts umfasst, das sie aus dem im Krieg zerstörten Adelssitz im ostpreußischen Schlobitten hat retten können. Die Sammlung mit Möbeln, Porzellan und Waffen hatte das Land 1988 und 1992 erwerben können und schließlich der Schlösser-Stiftung vermacht. Die zeigt kleine Teile davon im Schloss Charlottenburg, „aber da gehört sie eigentlich nicht hin“, sagt Dorgerloh.

Für die Interessenten der Nachkriegsgeschichte wird es Wilhelm Piecks Arbeitszimmer zu sehen geben, mit den DDR-typischen Schleiflack-Möbeln, und das „lila Badezimmer“, das zu DDR-Zeiten eingebaut wurde, um den Staatsgästen eine Heimstatt zu bieten. „Stilstufe Raumschiff Enterprise“, nennt Dorgerloh dieses Interieur, das es im Sinne des zeitgeschichtlichen Interesses ebenso zu erhalten gelte. Das betrifft auch den knapp sieben Hektar großen Park mit seinen bis zu 200 Jahre alten Bäumen. Die Gestaltung im Stil der 1950er-Jahre wird beibehalten.

Mit bis zu 70 000 Besuchern jährlich rechnet Dorgerloh. Die Betriebskosten des Hauses deckt das nicht. Den Rest soll vor allem das Land beisteuern.

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