Berlin : Nicht pompös, aber pünktlich: S-Bahn hält am neuen Südkreuz

Stefan Jacobs

Man erkennt nicht gleich, ob und an welcher Seite man aussteigen darf, weil links und rechts nur Bauzäune und Gerüste sind. Aber dann ist links doch gerade genug Platz, um in die Halle zu treten, die den neuen Bahnhof Papestraße überdacht. Am Montag um 4 Uhr 23 hielt der erste Zug unter dem gestuften Dach aus Blech, Glas und Stahl, das das künftige Südkreuz überspannt. Es ist nicht ganz so hell und nicht halb so majestätisch wie das Gewölbe am Lehrter Bahnhof. Aber es ist – trotz Insolvenz von Walter Bau und späten Frosts – pünktlich fertig geworden.

Knapp zwei Monate lang fuhren die Ringzüge westwärts ohne Halt am Bahnhof vorbei. Wer zur S 2 oder S 26 wollte, musste bis Schöneberg und von da eine Station zurückfahren. So umständlich wird es nicht mehr, verspricht die S-Bahn: „Das Tal der Tränen für die Kunden ist im Wesentlichen durchschritten“, sagt Baubetriebsmanager Christian Morgenroth.

Apropos durchschritten: Die Umsteigewege am neuen Bahnhof verändern sich zwar, aber sie bleiben vorerst mühsam. Zum 16. April wird der Weg zum provisorischen Ringbahnsteig Richtung Osten auf die andere Seite der neuen Halle verlegt. Kürzer wird er dadurch nicht – drei Minuten strammer Fußmarsch durch Bretterverschläge und Röhren plus Treppen von einem Bahnsteig zum anderen müssen einkalkuliert werden. In der zweiten Aprilhälfte wird die alte Röhre abgebaut, um Baufreiheit zu schaffen für das zweite Ringbahngleis in der Halle. Denn ab 13. Juni sollen auch die ostwärts fahrenden Züge im neuen Bahnhof halten. Das bisherige Gleis muss bis dahin mehrfach stillgelegt werden. Das bedeutet Pendelverkehr im 20-Minuten-Takt. Der soll sich aber auf Abendstunden und Wochenenden beschränken.

Ab Mitte Juni soll der Bahnhof auch wieder für weniger bewegliche Fahrgäste nutzbar sein: Dann gibt es Aufzüge statt Behelfsstiegen. Zwei Rolltreppen funktionieren schon. Termin für die komplette Inbetriebnahme des Südkreuzes ist im Mai 2006; zurzeit werden die ersten drei von sechs Fernbahngleisen verlegt und der Boden für eine Ladenzeile planiert.

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