Berlin : Nicht Rechtens, sondern rechtens: Ab August sind die neuen Rechtschreibregeln Pflicht

REGINA MÖNCH

BERLIN .Mit dem Urteil der Karlsruher Richter zur Rechtschreibreform werden die neuen Regeln auch für die Berliner Schule verbindlich.Eine zweijährige Hängepartie ist damit beendet, denn bereits seit dem Schuljahr 1996/97 wurde an Grundschulen das neue Regelwerk gelehrt - ältere Schüler wurden damit vertraut gemacht, in allen Klassenarbeiten die Korrekturen danach gekennzeichnet.Neu ist ab Schuljahresbeginn am 24.August, daß (dass) Unterricht fortan nur noch auf Grundlage der neuen Regeln erteilt werden darf.Aber bis 2005 sind beide Schreibweisen erlaubt.Auch die Korrekturvorschriften für die Lehrer ändern sich: Sie sollen nun die alte Schreibweise mit einem "Ü" für überholt markieren.

Die sogenannte Berliner Vorgriffsregelung, sie galt seit Juli 1996, empfahl Lehrern, in Klassenarbeiten die neue Schreibweise gesondert zu kennzeichnen.Nun ist es umgekehrt: Die alte, überkommene, soll markiert werden.Diese Forderung ist unter Pädagogen wiederum nicht unumstritten.Abgesehen vom größeren Korrekturaufwand kritisieren sie, daß Kinder, die leichter umlernten, als sich viele Erwachsene dies vorstellten, damit abgelenkt würden.

In einigen Schulen einigten sich die Fachkonferenzen deshalb darauf, die Kennzeichnung (ob alt oder neu) wegzulassen.Nur das Abitur war davon ausgenommen.Sorgen machen Pädagogen Schüler, die große Rechtschreibprobleme haben.Sie dürften künftig noch mehr verwirrt werden, wenn sie sich aus den verschiedenen Randbemerkungen an ihren Klassenarbeiten die "echten" Fehler heraussuchen müssen.Denn ein Fehler ist noch bis 2005 nur, was sowohl nach alten wie auch nach neuen Regeln falsch geschrieben wird.Wer jedoch im Herbst 2005 "Rohheit" immer noch nur mit einem "h" und "behände" mit "e" statt mit "ä" schreibt, riskiert ernsthaft Punktabzug.

Unter den emotionsgeladenen Auseinandersetzungen um die kleine Reform ist fast vergessen, daß nicht nur manches anders, sondern vieles vor allem leichter wird für durchschnittlich begabte Schreiber.Von den schwer zu lernenden 52 Kommaregeln bleiben neun, von den 212 Regeln für die deutsche Rechtschreibung 112.

Mascha Kleinschmidt-Bräutigam - sie betreut im Berliner Institut für Lehrerfort- und Weiterbildung das heikle Thema - ist vor allem froh, daß die Zeit der Verunsicherung nun vorüber ist.In den vergangenen zwei Jahren hat sie mit freundlicher Beharrlichkeit und ihrer Moderatorengruppe Hunderte von Lehrern auf "Neuschreib" umgeschult und zahlreiche Unterrichtsmaterialien erarbeitet.Naturgemäß hätten Schüler der höheren Klassen mit der Rechtschreibreform größere Schwierigkeiten als jüngere.Man geht davon aus, daß Schreibregeln, sofern sie begriffen wurden, ab Klasse 5 sitzen.Doch trotz einiger Verwirrung durch die zahlreichen Prozesse, sagt Frau Kleinschmidt-Bräutigam, habe sie bei vielen Schülern seit dem Einstieg in die Rechtschreibreform ein wachsendes Sprachbewußtsein registriert.Probleme mit der Umstellung hätten vor allem Erwachsene.

Auch die GEW begrüßt das Urteil zur Rechtschreibreform, weil nun Klarheit herrsche und die "Liberalisierung mancher Schreibweisen" Schülern zugute komme.Ihnen würden künftig weniger Fehler angerechnet, weil sie seltener in die Fallen der schwierigen deutschen Orthographie und Grammatik tappten.Obwohl die Schulen in den vergangenen Jahren bei Neuanschaffungen von Büchern Wert auf die reformierte Rechtschreibung gelegt hätten, fehle es jetzt aber an Trainingsmaterial, sagt GEW-Sprecherin Erdmute Safranski."Es wäre günstiger, wenn die Schulen dafür mehr Geld bekommen hätten." Auch Safranski, selbst Lehrerin, hat vor allem bei Erwachsenen Aversionen gegen die Reform bemerkt."Aus meiner Erfahrung mit dem Umlernen kann ich beruhigen: Es ist weder schwer noch zeitintensiv.Außerdem ist nur ein kleiner Teil der täglich verwendeten Schreibweisen - cirka ein Prozent - betroffen!"

ACHTUNG

Der Deutsche Wetterdienst bat uns folgende Suchmeldung zu veröffentlichen.Gesucht wird Frau Ursula Keller.Nähere Informationen gibt es unter http:// www.dwd.de/general/dkeller.html .

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