Berlin : Nicht traurig sein

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VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder über

Bambis vorläufigen Abschied von Berlin

In den Jahren nach dem Regierungsumzug zog es viele Veranstalter, die eine neue, glanzvolle Kulisse suchten, nach Berlin. Bälle und Galas jagten einander. Später setzte in Städten wie Stuttgart oder Düsseldorf Ernüchterung ein: Haben wir dafür all die Jahre Berlin subventioniert, dass die Stadt jetzt zum zentralen Festplatz der Republik mutiert? Solche Fragen ziehen keine Sympathie auf die Stadt, sondern allenfalls Neid.

Insofern ist es vielleicht sogar gut, dass die BambiVerleihung demnächst in Hamburg stattfindet. Natürlich hätte der Berliner Senat dem Burda-Verlag ein Angebot machen können, dass man nicht ablehnen kann. Aber das hätte die falschen Signale gesetzt. Eine bitterarme Stadt, deren ausgeprägte Feierlaune anderswo ohnedies eher anstößig wirkt, kann den Hals nicht voll kriegen? Kein gutes Bild!

Gönnen wir Hamburg den Bambi, die Stadt musste sich oft genug über den Berlin-Boom ärgern. Früher oder später wird es Burda zurückziehen. Auch Weltstars sind nur Menschen, die sich gern mal was ansehen oder einkaufen gehen. Was das betrifft, besitzt Berlin immer mehr Reize, mit denen es sich gut wuchern lässt. Gleichzeitig sind sie Anlass zu größter Gelassenheit. An Glamour-Feten wird so schnell kein Mangel sein. Auf eine mehr oder weniger kommt es nicht an. Was nicht heißt, dass nicht doch mal ein origineller Party-Platz für mehr als 3000 Gäste gefunden werden müsste. Glücklicherweise haben wir einen Bürgermeister, der sein Problembewusstsein auf vielen nächtlichen Terminen gewissenhaft schult. Es kann uns also wirklich nichts passieren.

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