Berlin : "Nicht weniger als zwei liberale Senatoren"

rcf / kf

Für die erste Prognose zog sich der FDP-Spitzenkandidat zurück. Schaute sich die Hochrechnung im Thomas-Dehler-Haus hinter verschlossenen Türen an. Bei der ausgelassenen Festgesellschaft unten zeigte sich Rexrodt für exakt fünf Minuten - aber durchaus zufrieden. "Die Prognose sieht gut aus, darüber freuen wir uns", sagte er. Der Erfolg muss für Rexrodt eine persönliche Genugtuung sein: Vor zwei Jahren war der Ex-Bundeswirtschaftsminister bei der Abgeordnetenhauswahl mit 2,2 Prozent noch kläglich gescheitert und anschließend zurückgetreten. Nun ist er rehabilitiert mit rund zehn Prozent der Stimmen.

Zum Thema Ergebnisse I: Stimmenanteile und Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse II: Direktmandate im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse III: Ergebnisse nach Regionen (Abgeordnetenhaus und BVV)
WahlStreet.de: Die Bilanz Rexrodt hatte die Party an der Reinhardtstraße schon lange verlassen, als der Parteivorsitzende Guido Westerwelle und Bundesfraktionschef Wolfgang Gerhardt unter Applaus den Saal betraten. Der Erfolg sei nicht zuletzt "der starken Figur" zu verdanken, die Rexrodt während des Wahlkampfes bewiesen habe, sagte Gerhardt. "Ein fulminanter Wahlerfolg!"

Trotzdem schwiegen sich die meisten Politiker im Thomas-Dehler-Haus über eine mögliche Regierungsbeteiligung aus. Allein der Sprecher des Landesausschusses, Detlev Fricke, machte Andeutungen. Zur Verfügung stünde man nur für eine "sozial-liberale Koalition", gewissermaßen unter Duldung der Bündnisgrünen. "Mit weniger als zwei liberalen Senatoren ginge es sicher nicht."

Die FDP-Führung wie auch die Basis dürften allerdings wissen, dass der herausragende Sieg nicht zuletzt Umständen zu verdanken ist, auf die sie selbst kaum Einfluss hatten: Bankenkrise, Bruch der Großen Koalition, die Verluste der CDU... Davon wollte man bei den Jungen Liberalen am Wahlabend aber nichts hören. "Wir haben einen tollen Wahlkampf gemacht", sagten Christoph Schneider, 18, und Anke Königshaus, 23. Katastrophengewinnler sei vielmehr die SPD, der es gelungen sei, die Verantwortung für die Bankenkrise allein der CDU in die Schuhe zu schieben.

FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper stimmte das Berliner Ergebnis optimistisch. "Das ist ein äußerst wichtiges Etappenziel, um bei der Bundestagwahl im nächsten Jahr 18 Prozent zu erreichen", sagte sie bei ihrer Ansprache im Dehler-Haus. Die Etappen gestalten sich bei der FDP derzeit allerdings höchst unterschiedlich: Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg erst vor einem Monat konnte die FDP nach einer Zitterpartie nur 5,1 Prozent einfahren.

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