Berlin : Nichts für Suppenkasper

In Kreuzberg steigt die erste „Fête de la soupe“. Gekocht wird nach Rezepten aus aller Welt

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Die Idee kommt aus Frankreich, aus Lille, um genauer zu sein. Dort kocht die Nachbarschaft Suppe, man trifft sich gemeinsam auf der Straße und isst. „Das machen wir auch!“, dachten sich die Leute vom „Wrangelnetz“ und der Arbeiterwohlfahrt FriedrichshainKreuzberg. Und heute wird die Wrangelstraße tatsächlich zur Berliner Suppenmeile. Mehr als 60 Köche haben sich für die „Fête de la soupe“ angemeldet, dem ersten Berliner Suppenfestival. Mehr als 10000 Besucher erwarten die Organisatoren um Hans-Jürgen Schwebke.

Begonnen haben die Vorbereitungen für die Fête schon am gestrigen Freitag. Abends um acht kamen die ersten Köche in den Hof der St. Marien-Liebfrauen-Kirche: mit einem Kürbis unterm Arm und langen Porree-Stangen, die aus dem Rucksack ragten. Eine Viertelstunde später brutzelte es schon in Pfannen und Töpfen, es roch nach gebratenen Zwiebeln. Einige Köche hatten die Zutaten bereits zuhause vorbereitet. Andere schnibbelten das Gemüse vor Ort. Es sah alles nach einem gemütlichen Kochabend aus.

Heute geht es weiter. Wieder wird gekocht, mitten auf der Wrangelstraße wird eine 170 Meter lange Tafel aufgebaut. Ab 14 Uhr am Nachmittag können die Suppen dann gekostet werden. Nicht alle gleichzeitig, aber immer eine größere Auswahl. Wer will kann den ganzen Nachmittag und Abend Suppe essen. Das Menü, verrät Organisator Schwebke, wird so bunt und vielfältig wie der Kiez selbst. Ein Auszug aus der Speisekarte: Fränkische Hochzeitssuppe, Südtiroler Weinsuppe, Löwenzahnsuppe und Scharfe Karibiksuppe mit Shrimps wird es geben. Die drei besten Suppen werden ausgezeichnet: mit Suppenkellen in Gold, Silber und Bronze.

Aus der „Fête de la soupe“ soll ein jährliches Begegnungsfest im Kiez werden. Denn ein Stadtteilfest gab es im Wrangelkiez bereits, aber der Zulauf war mäßig, und die Motivation der Veranstalter und Gäste ebenfalls. Das Suppenfestival aber ist eine ganz neue Idee. Und das Interesse, am Fest beteiligt zu sein, ist unerwartet groß, erzählt Hans-Jürgen Schwebke. Neben vielen Nachbarn sind das „art’otel“ Berlin-Mitte, die Akademie Schmöckwitz, wo auch Köche ausgebildet werden, verschiedene Nachbarschaftszentren und Jugendinitiativen dabei. Ein Kulturprogramm gibt es außerdem noch. Musik auf drei Bühnen: mit Tanzmusik der 30er und 40er Jahre, DJs von Radio Multikulti mit Weltmusik, Blues und vielem mehr. Aufmerksamkeit ist den Veranstaltern gewiss – auch der Regierende Bürgermeister bedachte die Organisatoren mit einem Grußwort zur ersten „Fête de la soupe“. Er ist selbst ein begeisterter Hobbykoch. chr

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