Berlin : Nichts kapiert

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber über

den Müll in den Parks

Klar, was William Bratton über die Berliner und ihren Umgang mit den Parks sagen würde: „Sie haben es nicht kapiert.“ Müll überall. Mülltüten, an Mülleimer gelehnt, als wären es Kunstwerke. Viele ärgern sich, keiner sagt was, wenn einer seinen Müll nicht mal mitnimmt. William Bratton, ehemaliger New Yorker Polizeichef, ist in Berlin vor gar nicht langer Zeit gefeiert worden. Das war Mitte der 90er, als viele in der Stadt das Gefühl hatten, mit ihr gehe es abwärts – und froh waren, dass im großen, beispielhaften New York einer zeigte, was man tun kann. Das haben Berliner Politiker immer gern gemacht: Gucken, wie man woanders ein Problem löst, um die Lösung dann „breit zu diskutieren“. Bratton war der NullToleranz- Mann, seine schlichte These lautete: Wo Müll liegt, schmeißen die Leute mehr Müll hin. Das galt im direkten wie übertragenen Sinn, für die öffentliche Ordnung wie für Delinquenz. New York war heruntergekommen. Bratton stellte aber nicht jedem New Yorker einen Therapeuten an die Seite, der ihn bei der Bierbüchsen-Entsorgung unterstützte. Er ließ die Polizisten – das war neu – gegen Bagatell-Delinquenten und Kleinkriminelle vorgehen. Keine schöne Vorstellung, dass Polizei oder Parkwächter darauf achten, ob die Leute ihren Müll entsorgen. Das schreckt uns. Also erholen wir uns im Dreck.

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