Berlin : Nichts normal

Christian van Lessen

sucht nach Orten des Gedenkens zum 11.September Wie gedenken wir heute in Berlin des Unfassbaren vor vier Jahren? Vor allem still, sehr still und vereinzelt. Jeder, der nicht vergessen kann, muss für sich die passende Antwort finden. Die Polizei, die vorm Amerika-Haus Wache schiebt, erwartet jedenfalls keine Blumen am Absperrgitter. Ein Schild dort erinnert daran, dass die ganze Straßenfront mit Blumen, Kerzen und anderen Zeichen des Gedenkens bedeckt war. Damals, am 11.September und in den Tagen danach. Berlin war entsetzt, Läden schlossen, es gab Gedenkminuten. Auch vor der Botschaft in Mitte lagen Blumen, als sprachloses Zeichen der Anteilnahme. Vor der einbetonierten Botschaft werden es Blumen und Kerzen schwer haben, die Polizei hat keinen Hinweis, dass „irgendetwas geplant“ ist, was mit dem Gedenken zu tun hat. Ist alles normal heute, so dass auf öffentliches Erinnern verzichtet wird? Der Senat schweigt dazu. Mindestens einen Ort aber wird es geben. Eine interreligiöse Gedenkfeier für die Opfer der Terroranschläge vom 11.September, auch für die Opfer des Hurrikans Katrina. Tausende könnten kommen, Zeichen der Solidarität setzen. Könnten. Der Kreis wird begrenzt bleiben, die amerikanische Botschaft hat dringend abgeraten, den Ort vorab öffentlich bekannt zu geben. Aus Sicherheitsgründen. Es ist nichts normal an diesem 11.September 2005.

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