Berlin : Nichts wie weg

Bei der Premiere von „Cloud Atlas“ am Potsdamer Platz mussten die Hauptstars früh gehen.

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Die Schöne und das Bärtchen. Halle Berry, 46, und Tom Hanks, 56, stellten das Filmepos „Cloud Atlas“ erst in Los Angeles und Montagabend am Potsdamer Platz vor.Foto: AP
Die Schöne und das Bärtchen. Halle Berry, 46, und Tom Hanks, 56, stellten das Filmepos „Cloud Atlas“ erst in Los Angeles und...Foto: dapd

Es gibt manche guten Gründe, als Star solch einer Premiere wie der von „Cloud Atlas“ den Schlussapplaus nicht abzuwarten, sondern sich, anderes als die Mitakteure, schon vor dem Film zu verneigen, ein paar artige Worte ins Mikro zu sprechen und dann zu verschwinden. Zum Beispiel eine Präsidentenwahl: Ja, Halle Berry musste schon wegen Obama rasch weg und rein ins Flugzeug, ihre Stimme, da ließ sie keinen Zweifel, ist Mr. President sicher. Dringende Dreharbeiten in Hollywood sind ein ebenso einleuchtender Grund, den konnte auch Tom Hanks vorbringen, jedem leuchtete das ein. Aber es gab einen dritten, den hatte sich Hanks als Schlussgag aufgespart. Sie beide müssten schon deswegen schnell weg, „because we are so exhausted by ,Wetten dass’.“ Allgemeine, verständnisvolle Heiterkeit im Saal, wohl jeder weiß hier von ihrem Leiden bei Markus Lanz.

Früher als gewohnt hatte der Aufmarsch auf dem roten Teppich vor dem Cinestar am Potsdamer Platz begonnen, unter den Gästen sah man Heino Ferch, Götz Otto, Iris Berben und Klaus Wowereit. Bei knapp drei Stunden Film musste ja noch Zeit bleiben für die Party im Adagio. Offiziell war es nicht die Welt-, sondern die Europapremiere, aber Regisseur Tom Tykwer sah das anders, wie er Klaas, der mit Joko auf dem Teppich moderierte, wissen ließ: Alles andere seien Vorpremieren gewesen, die richtige Premiere finde hier in Berlin statt.

Vielleicht waren Hanks und Berry auch froh, dem nieseligen November-Wetter zu entfliehen, das sie an die Dreharbeiten in Babelsberg und Berlin vor einem Jahr erinnert haben dürfte. Beide hätten sich da eine dicke Erkältung eingefangen, erzählten beide am Vortag der Premiere. „Es war elendig kalt“, frotzelte der Kalifornier Hanks mit zerknautschter Leidensmiene. Worauf sich die deutlich leisere, deutlich verbindlichere Berry beeilte zu sagen, dass die wunderbaren Weihnachtsmärkte, die sie mit ihrer Tochter besuchte, die Kälte wieder wettmachten. Überhaupt blieb das Wetter außer der „Wetten dass“-Sache die einzige Spitze, die die zu Interviews angerückte Schauspielerriege Berry, Hanks, Ben Whishaw, Hugo Weaving, Donna Bae und James D’Arcy losließ. Ansonsten überschlugen sie sich vor Begeisterung über die vom Regie-Trio Tom Tykwer und Lana & Andy Wachowski inszenierte Verfilmung von David Mitchells Fantasyroman. Und über Berlin und Babelsberg, wo ein Großteil der Dreharbeiten stattfand. Er liebe die Magie alter Filmstudios wie Babelsberg, schwärmte Hanks, „das sind Kathedralen“. Und der Australier Hugo Weaving („Matrix“, „Herr der Ringe“), der während des Drehs in Mitte wohnte, lobte, die Stadt sei „unglaublich zivilisiert, unaggressiv, tolerant und reich an Kultur, Historie und gutem Essen“. Auch sein in echt ebenso scheu und zerrissen wie auf der Leinwand wirkender britischer Kollege Ben Whishaw hatte in Berlin nur nette Leute ausgemacht. Am besten gefiel ihm aber Tykwer, der ihm 2006 bereits die Hauptrolle in „Das Parfum“ gab. Er sei ein brillanter Regisseur und Künstler, sagte Whishaw. „Für Tom würde ich über glühende Kohlen gehen.“

So weit wagte sich Hanks, der zur Zeit in Hollywood als Walt Disney in „Saving Mr. Banks“ vor der Kamera steht, nicht mit Liebesbezeugungen vor, aber sein Respekt für das unabhängig finanzierte Filmprojekt und dessen Regisseure, die gleichzeitig an zwei Sets filmten, um den Stoff bezahlbar zu bewältigen, ist trotz aller Promoroutine bei ihm und den anderen spürbar echt. Ebenso wie die Dankbarkeit, zum ersten und einzigen Mal im Darstellerleben sechs verschiedene Charaktere in einem Film spielen zu können. Inklusive der dazugehörigen Perücken-, Nasen- und Gebiss-Parade, die etwa bei Hanks’ heißen Hasenzähnen in der Rolle des Pazifik-Widerlings Dr. Goose groteske Formen annimmt. Rekordverdächtige zweieinhalb Wochen habe man sich nur mit Make-up-Tests befasst, amüsierten sich Berry und Hanks.

Der am 15. November startende Film ist Historien- und Künstlerdrama, Science-Fiction, Politthriller, Rentnerkomödie und Liebesgeschichte. Oder wie Ben Whishaw sagt: „Du kannst daraus mitnehmen, was du willst.“ Aber verstanden habe selbst er noch nicht alles.

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