Berlin : Nichts zu viel

Andreas Conrad

würde die Marathonstrecke gerne effektiver nutzen Dem antiken Griechenland verdanken wir Berliner viel: wohlgeformte Marmorleiber in den Museen, Klassiker im Theater und an diesem Wochenende stundenweise autofreie Straßen. Dennoch sei die Frage erlaubt, was so ein alter Hellene zum Doppel-Marathon wohl sagen würde: Stände auch er jubelnd am Wegesrand, während Zehntausende vorüberhetzen, oder wiegte er zweifelnd das bärtige Haupt, dabei einen Kernsatz der griechischen Philosophen murmelnd? „Meden agan – Nichts zu viel.“ Denn etwas maßlos erscheint das große Laufen schon, und wenngleich es organisatorisch nun besser klappt: Manch einer mag sich noch immer nicht daran gewöhnen, dass an gleich zwei Tagen kein Durchkommen mehr ist. Dabei läge die Lösung so nah. Muss es wirklich sein, dass alle wie die Lemminge nur in eine Richtung hasten? Warum nicht Skater und Läufer vom selben Punkt aus starten lassen, doch in entgegengesetzter Richtung? Schließlich hat das Brandenburger Tor zwei Seiten, breit genug sind unsere Straßen auch. Falls es doch nicht läuft: Als Feldversuch der Chaosforschung wäre der Doppelstart unschlagbar.

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