Berlin : Nie mehr Gespräche unter Männern

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Schöneberg. Das offene Gespräch unter Männern über Partnerschaft und Sex bei Pro Familia wird es womöglich bald nicht mehr geben. 50 000 Euro Zuschüsse sollen Berlins größtem freier Träger für Beziehungs-, Familien- und Sexualberatung gestrichen werden. Das würde, so die Pro-Familia-Psychologin Monika Häußermann, das Aus für die sexualpädagogische Arbeit mit Jungen und jungen Männern bedeuten. Bisher hatten sie sich kostenlos während der Sprechstunden von einem interdisziplinären Team aus Arzt, Psychologen und Sozialarbeiter helfen lassen können. Außer Pro Familia bieten diese Art von Information und Beratung vor allem die homosexuell ausgerichteten Einrichtungen. „Zu uns können aber alle kommen – gerade auch die, die eben noch Zweifel an ihrer sexuellen Identität haben“, sagt Joachim Braun, der als Diplompädagoge diese Beratung anbietet. Mit Jungen und jungen Männern über Probleme in der Partnerschaft oder beim Sex zu reden, beugt nach Überzeugung von Pro Familia vor: Versagensängste, Überforderung und Unsicherheit mündeten viel zu oft in sexueller Gewalt. „Ein Gespräch unter Männern ist da oft der einzige Ausweg“, sagt Joachim Braun. Das Landesjugendamt und die Senatsverwaltung für Jugend sieht das allerdings anders: 50 000 Euro sollen gestrichen werden. Dies ist besonders bitter für Pro Familia, denn in jahrelanger Arbeit wurde ein Netzwerk aufgebaut, das auch die Jungen anspricht, die ohnehin nicht gerne zur Beratung kämen. „Immer wieder hören wir, dass Klienten als Schüler mit einer Gruppe mal bei uns waren und sich nach Jahren an Pro Familia erinnern, wenn es zu Problemen kommt“, so Braun. „Und dabei ging es beileibe nicht nur um die Schwangerenkonfliktberatung“, sagt Monika Häußermann. Was allgemein am häufigsten mit Pro Familia verbunden werde, spiele bei der Arbeit in der Kalckreuthstraße 4 längst nicht mehr die Hauptrolle. Jörg-Peter Rau

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