Berlin : Nie wieder Picknick

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VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder freut sich trotzdem

auf die Philharmoniker in der Waldbühne

Jedes Jahr das gleiche Nikolaus-Ritual. Oh, ist es denn schon wieder so spät? Dann gleich los ins KaDeWe. Dort in den sechsten Stock. Nein, nicht was Sie denken. Zur Theaterkasse natürlich. Philharmoniker in der Waldbühne, richtig. Sich dann ein bisschen über den Veranstalter geärgert. Nicht zu fassen, wie der abstaubt. Wenn er 20 000 Karten ein halbes Jahr vorher verkauft, streicht der doch Zinsen ein, die verboten gehören. Egal, es nützt ja nichts. Anfang Januar spätestens sind sie manchmal schon ausverkauft, und dann kommt irgendwann der 27. Juni, und man steht da mit seinem Barolo und den Pecorino-Würfeln, den schottischen Keksen und den Königin-Oliven und weiß nicht wohin. Möchte man sich eigentlich nicht wirklich antun.

Zumal es in diesem Jahr eine Neuerung gibt, die echten Anlass gibt, sich zwar nicht über den Veranstalter, so doch über die Philharmoniker zu freuen. Die haben nämlich offenbar verfügt, dass es eine Preisstaffelung gibt, die es auch ärmeren Musikfreunden wieder erlaubt, diesen Open-Air-Klassiker zu genießen. Sie erinnern sich: In den 80er Jahren konnte man da für schlappe zwanzig Mark dran teilnehmen, im letzten Jahr lag der Einheitspreis ungefähr beim Vierfachen. Jetzt haben sie die Waldbühne in Blocks aufgeteilt, was bedeutet, dass die viel zu vielen Ordner mal sinnvoll beschäftigt werden können, statt immer nur unschuldige Musikfreundinnen zu quälen. Man kann also, wenn man nicht so reich ist, schon für knapp 20 Euro hin, und wenn man doch reich ist, auch für gut 45 Euro. Das war die gute Nachricht.

Und jetzt halten Sie sich fest, es kommt auch noch eine schlechte. Wissen Sie, was die Dame von der Theaterkasse sagte, als die Tickets schon fertig bezahlt und verstaut waren? So ganz en passant sagte, als sei das keine News, die auf der Stelle in die Zeitung gehört, sondern mehr eine lächerliche kleine Anekdote? „Essen und Trinken darf nicht mehr mitgebracht werden!“, sagte sie streng. Das sei eine Anweisung des Veranstalters. Und wissen Sie, was sie nicht sagte? Wohin dann mit dem Barolo und den Pecorinowürfeln… Und dass sie diese Info eigentlich als Allererstes hätte rausrücken müssen.

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