Berlin : Nie wieder Reisen

Christine Lang

Zur Zeit ist Ausgehen in Berlin so nett wie nie zuvor. Jede Menge Strandbars und Open- Air-Locations mit wunderschönem Ausblick auf die Spree oder beleuchtete Großstadtarchitektur machen das Clubben in diesem Sommer zu einem großen Spaß. Es gibt nur ein kleines Problem: das sind meine dreckigen Füße. Es vergeht keine Nacht, nach der ich sie nicht von dem Sand befreien muss, der überall in den Bars und Clubs exotisches Flair schafft. (In den 90ern gab es in Berlin nur eine Bar mit Sand auf dem Boden, das „Slumberland“ am Winterfeldtplatz...)

Leider muss ich wohl für den verbleibenden Sommer meine gesamte, teuer erstandene Sommerschuhkollektion im Schrank lassen. Wie ich mich am letzten Wochenende mit meinen Sieben-Zentimeter-Absätzen durch all die Sandberge der Strandbars und Beachclubs gekämpft habe! Bisher habe ich mich dem FlipFlop-Modediktat erfolgreich verweigert. Ich habe dieses omnipräsente schlurfend-ploppende Geräusch satt – und den meisten Füßen sind sie in ästhetischer Hinsicht eigentlich nicht besonders zuträglich, oder?

Aber was zählt das schon, eigentlich bin ich nur froh, dass ich nicht in Urlaub gefahren bin und das Berliner Nachtleben genießen kann. Urlaub in Berlin hat so viele Vorteile! Man verliert keine Zeit mit der Suche nach coolen Clubs, bekommt ein Bier für zwei Euro, kann im eigenen Bett schlafen und bekommt viel bessere Musik als sonst wo zu hören. Dabei kann man auch noch seine Freunde treffen. Und alles liegt direkt vor der Haustür: Sandstrand, Palmen und Badeplätze. Ich schließe mich also Enzensberger und Trio an: „Nie wieder Reisen“ und nie wieder „Keine Sterne in Athen... ich hab den Urlaub nicht gewollt, Du hast gesagt es müsste sein...“

Einer der schönsten, exotischen Plätze in Berlin ist übrigens das Badeschiff bei der Arena in Treptow. Ab acht Uhr morgens zum Schwimmen „in der“ Spree geöffnet, wird es am Abend zum Club, in dem interessante musikalische Events stattfinden. Vergangenen Samstag legten dort unter anderem Pole und Barbara Preisinger vom Berliner „~scape“-Label auf, einem Namen, der für beste minimale Elektronik steht. Pole überraschte dabei durch ein klassisches Reggae-Set.

Es geht hier aber nicht immer musikalisch so harmonisch zu: Am kommenden Wochenende feiert am Badeschiff- Strand ein anderes Berliner Label. Die „Bpitch Beach Beats“ versprechen einen wesentlich technoideren, härteren Sound. Neben vielen DJ-Sets der auf dem Label vertretenen Produzenten wird auch „Smash TV“ aka Holger Zilske mit seinem Laptop ein Liveset spielen.

Ich hoffe nur, er weiß sein Gerät vor dem Sand zu schützen. Ich werde mir derweil Gedanken machen, mit welchem Schuhwerk (außer Flip-Flops!) man wohl auf Sand zu Techno tanzen könnte.

13. August ab 21 Uhr: „Bpitch Beach Beats“ mit DJs Sascha Funke, Daniel Wetzel, Andreas Sachwitz, live: Smash TV. Badeschiff-Strandgelände hinter der Arena, Eichenstr. 4, Alt-Treptow, Eintritt 5 Euro.

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