Nie wieder Wirt! : Der Berliner Gastronom Harmut Guy macht wieder Kabarett

Der bekannte Kreuzberger Gastronom Hartmut Guy kehrt nach 26 Jahren zum Kabarett zurück.

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Gastronom Hartmut Guy macht wieder Kabarett.
Gastronom Hartmut Guy macht wieder Kabarett.Foto: Imago Stock & People

Ach, nun ist mal gut. Hartmut Guy ruft an, er sitzt im Auto und klingt weit weg, hör mal, sagt er, ich mach jetzt Schluss mit Gastronomie. Ehrlich? Grad mal 60, Wirt und Entertainer von Graden, und Schluss? Geht doch nicht.

Doch, sagt er, geht. Muss. Ich bin gesundheitlich nicht mehr so auf der Höhe, die langen Abende, das Rumrennen im Service, und ich will nun endlich mal Zeit mit meiner Frau verbringen. Das „Riehmers“ ist verkauft, Freitagabend feiern wir, Sonnabend um 22 Uhr ist Schluss, dann gehe ich nach Hause. Ich freu mich drauf.

Schluss? Wer Hartmut Guy kennt, den gelernten Potsdamer Kabarettisten und angelernten Gastgeber, der ahnt, dass da noch was kommt: Er hat sich nach 26 Jahren Pause wieder ein Kabarett-Programm geschrieben, nichts Großes, aber lustig, ab September macht er damit seine Runden in Berlin, da sollte es noch allerhand Leute geben, die ihn mögen und seine große Klappe, nicht wahr? 

Mehrmals musste er wieder von vorne anfangen

Hartmut Guy: ein irres Leben soweit. Als die Wende alle DDR-Gewissheiten zum Einsturz brachte, schmiss er das Bühnenleben am Potsdamer „Obelisk“ und zog mit seiner Frau, der Intendantin, nach Freudenberg, um Wirt zu werden. Sie kochte, er schmiss den Laden, es lief leidlich, manchmal machten DDR-Stars was auf der Bühne, die es auch gab. Dann schaute ein Marder den Dachstuhl durch, biss ein Kabel ab, das Haus brannte nieder.

Guy, Stehaufmann, ließ nicht locker, Freunde spendierten eine Benefiz-Gala im Opernpalais, die Versicherung zahlte, das Haus entstand neuer, schöner, fast alles aus Holz, Sauna, Kachelofen, die Bühne noch größer. Nur ließ dann leider die Lust nach, nur wegen guten Essens in die Freudenberger Walachei zu fahren, hinter Werneuchen links. Die Ehe scheiterte, das Gasthaus lief immer schlechter. Aber hatte nicht die Großstadt auf ihn gewartet?

Promis kamen und die Restauranttester - dann die Insolvenz

Das große Rad, bereit, gedreht zu werden, stand am Gendarmenmarkt, Ecke Jägerstraße: das „Guy“. Drei Etagen, toskanische Atmosphäre, Gourmet-Menüs. Ein bisschen versteckt zwar, aber es lief, die Promis kamen und die Restauranttester, und wenn der Chef runden Geburtstag hatte, ließ er vorn an der Straße ein Feuerwerk krachen. Als er aber ein Buch herausbrachte, „Guygantisches Gourmet-Theater“, da deutete er nach all dem Gejuxe schon an, was ein paar Monate später eintreten sollte: Insolvenz wegen untragbarer Mietforderungen.

Für ihn, sagte er, eine Befreiung. Das bescheidene, von Restaurantführern ignorierte Gasthaus „Riehmers“ in Kreuzberg schien ihm die passende Fortsetzung, auch dort konnte er Silvester seine Glanzrolle „Dinner for one“ aufführen, und keiner der Stammgäste vermisste das Gourmet-Theater. Irgendwann versauten ihm Feuerwehrleute den Garten, weil es oben brannte und sie alles rauswerfen mussten. Es ging weiter, Köche und Kellner kamen und gingen, Kollegen schauten rein, er wurde Teil der Kreuzberger Szene.

Aber irgendwann muss auch mal gut sein. Wir werden sicher noch von Hartmut Guy hören.

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