Berlin : Niedergestochen – weil er im Bus um leisere Musik bat

Jugendlicher in Neukölln lebensgefährlich verletzt / Polizei warnt davor, sich selbst zu gefährden

Jörn Hasselmann

In Hamburg starb ein 52-jähriger Mann, der sich couragiert randalierenden Jungendlichen in der S-Bahn entgegengestellt hatte; in Berlin schwebt ein junger Mann durch einen Messerstich in Lebensgefahr: Daniel P. und sein Bruder Patrick hatten am Montagabend im M 46 Bus in Neukölln eine Gruppe von Jugendlichen gebeten, die Musik leiser zu machen. Es gab einen Streit, die jugendlichen Randalierer flüchteten. Die Brüder, die zu dieser Zeit noch in Begleitung ihrer Eltern waren, stiegen später aus dem Bus aus. Wenig später trafen sie alleine vor einer Videothek am Britzer Damm in Neukölln mit der von der Polizei als türkisch-arabisch beschriebenen Gruppe zusammen.

Nach Angaben der Opfer zog einer der Männer ein Messer und stach es ohne Vorwarnung Daniel P. tief in den Oberschenkel. Auf den am Boden liegenden wurde weiter eingeschlagen und eingetreten, bis die fünf Täter flüchten. Mit hohem Blutverlust kam Daniel P. ins Krankenhaus, er ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Sein Bruder Patrick wurde nur leicht durch einen Messerstich verletzt.

Klar sei, dass es vor dem Streit im Bus zwischen den Brüdern und der Gruppe keine Begegnung gegeben habe, sagte Thomas Kasbaum von der Mordkommission. Etwa fünf weitere Fahrgäste hätten mitbekommen, dass einer aus der Gruppe schon im Bus ein Messer gezogen und den Brüdern gedroht habe: „Ich stech’ euch ab.“ Die fünf Männer flüchteten an der Haupt-/ Ecke Dominicusstraße in Schöneberg aus dem Bus. Möglicherweise seien sie dann dem Bus bis Britz hinterhergefahren, um ihre Drohung wahrzumachen. Die Kripo sucht Zeugen: 4664 911 300.

Im Hamburger Fall hatte Wolfgang L. den in der S-Bahn pöbelnden Jugendlichen gesagt: „Hört auf, oder es knallt!“ Damit habe er bedauerlicherweise gegen alle Ratschläge verstoßen, die Präventionsexperten für solche Fälle geben. Der wichtigste Grundsatz sei, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, heißt es im Berliner Polizeipräsidium – zudem sollte man immer, wenn man auf der Straße oder in der Bahn Zivilcourage zeigen will, Hilfe bei anderen Fahrgästen oder Passanten suchen. Die Präventionsbeauftragte der Polizei, Susanne Bauer, sagte, dass man sich Zeit nehmen müsse, wenn man auf ein Fehlverhalten hinweisen wolle. „Eine hingeworfene Bemerkung bringt ohnehin nichts“, sagte Bauer – sie könne aber den Angesprochenen gefährlich reizen.

Schon in den vergangenen Monaten hatte es ähnliche Fälle gegeben: Im Dezember 2005 verbat sich ein 18-Jähriger in einem Bus in Köpenick die Belästigung seiner Freundin und wurde daraufhin von einem Gleichaltrigen erstochen. Im Juli 2005 war ein 55-Jähriger auf dem S-Bahnhof Steglitz von einem Graffiti-Schmierer niedergestochen worden. Ratschläge, wie man sich schützen kann, gibt die Polizei im Internet: www.berlin.de/polizei/praevention/gewalt/index.html. Am morgigen Donnerstag veranstaltet die Polizei ein Seminar „Umgang mit Gewalt im öffentlichen Raum“.

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