Berlin : NIEDERLANDE Es gibt Schulen für Muslime – mit Gebetsraum

Bart Funnekotter[Den haag]

In den Niederlanden haben seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts Eltern jeder religiösen oder gesellschaftlichen Überzeugung das Recht, ihre eigenen Schulen zu gründen. Deswegen ist der Anteil der katholischen und protestantischen Schulen größer als in Deutschland. Seit einigen Jahren gibt es auch islamische Schulen. Der Unterricht wird bei allen vom Staat finanziert. Die Schulen dürfen aber auch Mittel anderer Geldgeber annehmen. Viele Muslimschulen sind zum Beispiel mit finanzieller Unterstützung arabischer Scheichs gebaut worden – und selbstverständlich gibt es in diesen Schulen Gebetsräume.

Seit einigen Jahren wachsen die Probleme wegen des steigenden Einflusses des Islam an öffentlichen Schulen. 2006 wurde eine muslimische Lehrerin des „Vader Rijn College“ aus Utrecht entlassen, weil sie wegen ihres aus Glaubens Männern nicht die Hand schütteln wollte. Bert Engbers, Direktor dieser „Schwarze Schule“ (so nennen die Holländer Schulen mit vielen Einwandererkindern), sagt, dass seine Entscheidung die einzig richtige war. „Wir sind eine öffentliche Schule. Das heißt: Es soll überhaupt keine Religion in unseren Gebäuden geben. Wir haben hier viele Muslimkinder, aber auch sie sollen lernen, dass sie in einem säkularen Land leben. Deswegen wird es bei uns nie Gebetsräume geben.“

Aber diese Meinung ist nicht unbedingt Konsens an den öffentlichen Schulen. Der Fachschulverband „ROC Midden Nederland“ hat eine pragmatische Haltung in dieser Frage. ROC-Sprecher Len Middelbeek: „Zu Weihnachten haben wir Tannenbäume in vielen Schulen. Dann ist es nur anständig, wenn wir mit dem Ramadan ‚Stilleräume‘ einrichten, wo die Gläubigen beten können. Wir passen aber auf, dass nicht eine Gruppe in einer Schule die Oberhand gewinnt. Jeder muss sich bei uns zu Hause fühlen.“ Bart Funnekotter, Den haag

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