Nikolaikirche : Die Kugeln fallen nicht herab

Mit Deutschlands größtem Hubkran wurden die Turmspitzen auf Korrosion untersucht. Dann gab es Entwarnung.

Lothar Heinke
Nikolaikirche
Ganz schon luftig da oben: Arbeiten an der Kirchturmspitze. -Foto: dpa

Der gelbe zehnachsige Kranwagen mit dem größten Hubkran Deutschlands passt nur knapp auf den Nikolaikirchplatz. Erst fährt er seine vier Stützfüße aus, dann eine bis mehr als hundert Meter Höhe reichende Hebebühne. Während vier Techniker und Architekten am Dienstagmorgen langsam durch die Luft nach oben schweben, sammeln sich etliche Schaulustige auf dem Kirchplatz. Aber was ist los? Sind etwa die beiden Türme defekt? Droht die Wetterfahne von der südlichen Turmspitze zu stürzen? Regnet es gar in die Kirche, die ja gerade mit einem Millionenaufwand restauriert wird?

Es ist alles ganz harmlos, viel weniger spektakulär, als es bei dem Großaufgebot an hochfahrender Technik den Anschein hat. Albrecht Henkys und Uwe Winkler vom Stadtmuseum beobachten gespannt, wie reibungslos die Aktion abläuft: Ziel ist eine endoskopische Untersuchung der metallenen, in der strahlenden Morgensonne vor azurblauem Himmel golden schimmernden Kugeln auf den beiden Turmspitzen. Die „Turmknäufe“ haben einen Durchmesser von 130 Zentimetern, sind zusammengefügt aus zwei Halbkugeln, in ihrem Innern befinden sich in einer Schatulle Zeitdokumente – Münzen und Zeitungen –, die 1985 beim Neubau der Türme im Dunkel der Kugeln, 89 Meter über Berlin, verschwanden. Nun sollen die Kugeln angebohrt werden, um festzustellen, ob sie aufgrund von Korrosion Wasser aufgenommen haben, das dann zunächst ablaufen müsste. Erst dann kann die Sonde eingeführt und die Materialstärke gemessen werden. Sollte sie weniger als zwei Zentimeter betragen, wird eine Sanierung der Kugeln unumgänglich sein – so wie vor über einem Jahr das Kreuz von der Kuppel des Berliner Doms genommen werden musste. Es stammt aus derselben Bauzeit und ist vermutlich aus dem gleichen Material wie die Kugeln auf der Nikolaikirche.

Nach zwei Stunden muss die Hubbühne vor der Windstärke kapitulieren, wenig später wird sie erneut hochgefahren. Am Ende sind die Techniker happy: Damals, beim Aufbau, wurden die Kugeln bereits mit Löchern versehen: Das Wasser fließt kontinuierlich ab. Es gibt keine Korrosion, stattdessen: Entwarnung.

Auf die Rückkehr des Kreuzes vom Dom muss indes noch gewartet werden: Die Auslieferung des nötigen Stahls verzögert sich. Wann es wieder installiert werden kann, ist unbekannt. Lothar Heinke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben