• Nikotinsüchtige Schüler bekommen Hilfe an der Charité Universitätsklinikum beteiligt sich am Therapieprogramm für Kinder

Berlin : Nikotinsüchtige Schüler bekommen Hilfe an der Charité Universitätsklinikum beteiligt sich am Therapieprogramm für Kinder

Heute entscheidet das Abgeordnetenhaus über ein Rauchverbot an Schulen

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Der Senat will dem steigenden Nikotinkonsum unter Jugendlichen entschiedener als bisher entgegentreten. Das neue „Netzwerk rauchfreie Schule“ soll das Problem jetzt auf vielfältige Weise angehen. Erstmals wurde auch eine Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Charité vereinbart, um die Nikotinsucht von Schülern nachhaltig zu bekämpfen.

„Starke Abhängigkeit kann Symptom einer anderen Krankheit wie Schizophrenie oder Depressionen sein“, begründet Professor Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie, sein Engagement beim neuen Senatsprogramm gegen das Rauchen.

Den betroffenen Kindern kann mit Beratungsgesprächen allein nicht geholfen werden, denn sie rauchen beispielsweise, um ihre Depressionen zu verringern. Dies „funktioniert“ vorübergehend, da Nikotin im Gehirn die Ausschüttung des so genannten Glückshormons Dopamin auslöst.

Die Diagnose und Beratung an der Universitätsklinik ist aber nur eine Komponente des Netzwerks, das die Senatsverwaltung für Jugend und Bildung auf den Weg gebracht hat. Ein anderer wichtiger neuer Anlaufpunkt für nikotinsüchtige Kinder ist „Karuna“, ein Verein für suchtgefährdete und suchtkranke Kinder, der auch die Eltern mit in die Therapie der Kinder einbezieht. Zielgruppe sind die 13- bis 15-Jährigen. Darüber hinaus können sich Lehrer ab Dezember verstärkt in Suchtvorbeugung fortbilden lassen, um Schülern zu helfen. Zudem gibt es eine Informationskampagne an allen Schulen.

Die aktuellen Zahlen zur Nikotinsucht Jugendlicher sind dramatisch: „In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der jugendlichen Raucher zwischen elf und 15 Jahren verdoppelt“, so Johannes Spatz, Sprecher des Forums Rauchfrei in Berlin. Rund 20 Prozent der Berliner Schüler rauchen demnach.

Besonders stark ist der Nikotinkonsum an Hauptschulen. Hier rauchen 44 Prozent der Schüler täglich, während es an Gymnasien nur etwa zehn Prozent der Schüler sind, so Spatz. Das Einstiegsalter liegt in Berlin mittlerweile bei 11,6 Jahren, bundesweit bei 13 Jahren. Von den 15-jährigen Gelegenheitsrauchern rauchen fast 70 Prozent auch nach zwei Jahren noch.

Als eine der Hauptursachen für den verbreiteten Tabakkonsum unter Kindern und Jugendlichen nennt Spatz ebenso wie Charité-Mediziner Andreas Heinz die Tabakwerbung. Vor allem Mädchen reagierten auf Werbung mit souveränen, forsch auftretenden Frauen, denen sie gerne nacheifern wollen. Inzwischen raucht jedes dritte 15-jährige Mädchen täglich.

Wenn Schulen sich dafür entscheiden, die Nikotinsucht offensiv zu bekämpfen, können sie auch weiterhin auf unterstützende Projekte wie den Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“ zurückgreifen oder das LionsQuest-Programm „Erwachsen werden“. Darüber hinaus bietet etwa die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) das Entwöhnungsprogramm „Just be Smokefree“, das laut DAK bei 15 Prozent der Teilnehmer zum Erfolg führt.

Weitere Informationen im Internet:

www.justbesmokefree.de und www.senbjs.berlin.de

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