Berlin : Nitrofen-Suche in Bioläden

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Auch in Berliner Bioläden könnten mit dem Krebserreger Nitrofen verseuchte Produkte verkauft worden sein. Die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Roswitha Steinbrenner, sagte dem Tagesspiegel, dass die Behörde am Wochenende jedoch nicht mehr tätig werden konnte.

Wie berichtet, ist in einem Agrarbetrieb in Niedersachsen Futtermittel mit hohem Nitrofengehalt aufgetaucht, das vermutlich aus dem uckermärkischen Stegelitz stammt. Der Betrieb im Nordosten Brandenburgs liefert seinen Öko-Weizen an verschiedene Futtermittelhändler, die wiederum unterschiedliche Geflügelzüchter versorgen, so dass sich die betroffenen Produkte in ganz Deutschland finden lassen, insgesamt sollen 100 Betriebe betroffen sein. Deshalb hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) am Freitagnachmittag eine Warnung herausgegeben. Ob diese die Berliner Verwaltung aber noch am Freitag erreicht habe, sei unklar. „Unter Umständen hat unsere Fachverwaltung es noch erfahren“, sagte die Sprecherin von Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS). Weiter sagte Steinbrenner, dass „keine Gefahr im Verzuge“ sei, da es akute Erkrankungen nicht gebe. Ein Krisenstab wurde nicht eingerichtet. Am heutigen Montag würden die für Bioläden zuständigen bezirklichen Lebensmittelaufsichtsämter informiert – eine Kontrolle werde jedoch Zeit in Anspruch nehmen. Steinbrenner erinnerte daran, dass auch bei Lebensmittelskandalen wie dem BSE-Fleisch aus Bayern wochenlang kontrolliert worden sei, da „riesenlange Lieferlisten ausgewertet werden mussten“: „Da waren die Produkte häufig schon aufgegessen.“

Der einzige Biobauernhof in Berlin ist die Domäne in Dahlem. Das Futter für die 100 Tiere komme aus Lübeck, sagte die Domäne-Landwirtin Astrid Masson – also nicht von dem betroffenen uckermärkischen Betrieb. Auch der große Bio-Hof „Eiland“ mit 4000 Hühnern im uckermärkischen Grimme zum Beispiel, der etwa 30 Berliner Bioläden beliefert, bezieht sein Futter von anderen Herstellern, wie die Bäuerin Christiane Pinselt am Abend erleichtert sagte.

Ein Berliner Öko-Experte kritisierte, dass das Futter aus Stegelitz letztlich in ganz Deutschland verkauft worden sei. „Eigentlich gehört es sich doch bei Bio-Lebensmitteln, dass regional eingekauft und ausgeliefert wird und lange Transporte vermieden werden.“ Brandenburgs Öko-Anbauverbände forderten gestern eine schnelle Aufklärung und harte Bestrafung der Schuldigen.

Brandenburgs Agrarminister Wolfgang Birthler kündigte am Sonntag an, dass das Land die Staatsanwaltschaft einschalten werde. Sein Haus habe Informationen über den Fund des verbotenen Nitrofen erst am Donnerstag erhalten „und sofort gehandelt“, sagte Birthler. Der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, sprach von einer „undurchsichtigen Angelegenheit“. Bislang sei es völlig unsicher, ob das in Niedersachsen beanstandete Futtermittel tatsächlich aus der Uckermark stamme. Schade verwies auf eine unangekündigte Betriebskontrolle im Auftrag seines Ministeriums Anfang April. Sie habe keinen Hinweis auf die Verwendung von Nitrofen ergeben. Ha/Ste.

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