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Noch immer keine Spur von Elias : Videoauswertung bringt keine Hinweise

Vier Tage nach dem Verschwinden des sechsjährigen Jungen aus Potsdam geht die Suche weiter. Am Sonntagabend wurde die Auswertung der Kameraaufnahmen größtenteils abgeschlossen - jedoch ohne Erfolg.

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Anwohner und freiwillige Helfer suchen in Potsdam in einem Waldgebiet nach Spuren des verschwundenen sechsjährigen Elias.
Anwohner und freiwillige Helfer suchen in Potsdam in einem Waldgebiet nach Spuren des verschwundenen sechsjährigen Elias.aFoto:Bchmann/ dpa

Die Suche nach dem sechsjährigen Elias aus Potsdam wurde auch an diesem Sonntag fortgesetzt. Es ist der vierte Tag, seit der Junge verschwunden ist. Die Polizei ist mit einem ähnlichen Großaufgebot wie an den Tagen zuvor im Einsatz, berichtet eine Sprecherin. Weitere Anwohner würden befragt und "Bereiche nord-östlich des Wohngebietes Schlaatz abgesucht". Bis zum Sonntagabend seien insgesamt 236 Hinweise eingegangen, denen man weiterhin nachgehe. Die Auswertung der Aufnahmen der Überwachungskameras aus Bussen, Bahnen, Supermärkten und Tankstellen blieb bis Sonntagabend ohne Erfolg.

Bisher gebe es keine Spur, aber auch keinen Hinweis auf ein Verbrechen, hieß es am Sonntag bei der Polizei. Sie arbeitet inzwischen mit 150 Beamten und hat die Suche intensiviert. Bislang weiterhin ohne Erfolg.

Viele Fälle untersucht die Polizei seit Jahrzehnten

Manche Vermisstenfälle beschäftigen die Polizei noch Jahre später. 1977 verschwand der 15 Jahre alte Gerd Berthold aus Potsdam. Auf der damals im Bau befindlichen Humboldtbrücke wurde noch sein leerer Sportbeutel gefunden. Wegen dieser letzten Spur hielt sich lange Zeit ein Verdacht: Der Junge könnte getötet und der Leichnam in die Humboldtbrücke einbetoniert worden sein. Erst 1996 hat es die Potsdamer Staatsanwaltschaft nach einem Antrag des Landeskriminalamts (LKA) abgelehnt, die Brücke zu durchleuchten: Zu unverhältnismäßig, hieß es.

Zu insgesamt sechs Potsdamern, die seit 1977 vermisst werden, lagern beim LKA in Eberswalde die alten Akten – die bei Bedarf, sollten sich neue Spuren oder Erkenntnisse ergeben, wieder herausgeholt werden können. Dazu gehört auch der Fall Wolfgang Faustmann: Seit dem 1. Februar 1985 wird der 1938 Geborene vermisst – laut Akten hatte er ein Nervenleiden und Orientierungsprobleme. Das letzte Mal sah ihn seine Mutter, als er auf die Außentoilette der gemeinsamen Wohnung in der Geschwister-Scholl-Straße gehen wollte. Der Fall ist bis heute nicht geklärt.

Am 27. Dezember 1996 verschwand die Potsdamerin Edeltraut Hoffmann. Die Frau soll gegen 16 Uhr ihre Neubauwohnung verlassen haben. Gesehen wurde sie noch einmal in einer Kneipe. Hans-Peter Scheemann, geboren 1952, gilt seit dem 7. Februar 1995 als vermisst. Der Erzieher arbeitete auf dem damaligen Wohnschiff „Rostock“, einer Art Sozialprojekt, das an der Marquardter Chaussee ankerte. Er setzte sich in seinen Lada Samara und fuhr weg – niemand sah ihn je wieder.

Seit dem 30. Oktober 1995 vermisst wird Andreas Ehlert, der mit dem Auto von dem Haus einer Freundin in der Behlertstraße wegfuhr. Seitdem ist er verschollen. Es blieb unklar, ob er sich wegen Straftaten absetzte oder Opfer eines Verbrechens wurde. 2008 verschwand die Potsdamerin Brigitte B. während einer Segelreise durch die Karibik, die sie mit ihrem Mann unternommen hatte.

In Berlin sind derzeit elf Menschen als vermisst gemeldet

Auch in Berlin sind derzeit elf Personen vermisst gemeldet. Bereits seit 1993 gesucht werden der damals 46-jährige Efim Letouchi und der damals zwölfjährige Manuel Schadwald, der die Wohnung seiner Eltern in Tempelhof verließ, um ins FEZ in der Wuhlheide zu fahren – dort kam er nicht an.

Ebenso mysteriös ist das Verschwinden der damals zwölfjährigen Sandra Wißmann aus der Böckhstraße in Kreuzberg im November 2000. Der Polizeipräsident lobte eine Belohnung von 5000 Euro aus. Es wird davon ausgegangen, dass Sandra Wißmann Opfer eines Kapitalverbrechens wurde.

Auch von Georgine Krüger fehlt weiterhin jede Spur. Die damals 14-Jährige war im September 2006 verschwunden. Es konnte bisher niemand ermittelt werden, der Georgine noch gesehen hat, nachdem sie am 25. September 2006 den Bus M27 an der Perleberger Straße verließ. Auch ihr Handy, das nur wenige Minuten später ausgeschaltet wurde, war seitdem nicht mehr auf Empfang.

Seit dem Vorjahr werden zudem drei ältere Personen vermisst. Der demenzkranke 72-jährige Alfred Schultz hatte eine Kleingartenanlage an der Parchimer Allee verlassen, weil er etwas aus dem am Ortolanweg abgestellten Auto holen wollte. Seitdem ist er verschwunden. Seit dem 4. April wird die 70-jährige Hannelore Schumacher aus Marzahn-Nord vermisst. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens befand sich Frau Schumacher in einer seelisch und gesundheitlich schlechten Verfassung.

Vermisst wird seit mehr als einem Jahr auch der 77-jährige Klaus Zeterberg aus Gropiusstadt. Er hat einen Abschiedsbrief, Personaldokumente und Schlüssel in seiner Wohnung zurückgelassen.

Elias
EliasFoto: dpa

Wo ist Elias? Die Potsdamer Polizei fragt: Wer hat Elias seit diesem Mittwoch, den 8. Juli, ab 15 Uhr gesehen? Und wer war am 8. Juli ab 15 Uhr auf dem Spielplatz des Inselhofes? Der verschwundene Junge wird als 1,10 bis 1,20 Meter groß und schmächtig beschrieben; er hat kurze, blonde Haare und blaue Augen. Zum Zeitpunkt seines Verschwindens trug Elias eine hellblaue Jeans, ein weißes T-Shirt mit langen Armen und hellblauem Adidas-Schriftzug sowie dunkelblaue Turnschuhe mit weißer Sohle. Hinweise können jeder Polizeidienststelle mitgeteilt werden.

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