Berlin : Noch kein Sondercheck wegen Vogelgrippe

Flughafen-Zoll stellte Fleisch aus der Türkei sicher

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Die dramatische Entwicklung der Vogelgrippe in der Türkei schürt erneut die Angst, das Virus könne auch nach Deutschland eingeschleppt werden. Doch während Mediziner eine verstärkte Überwachung der Reisenden aus Virusgebieten bis hin zu Desinfektionsmaßnahmen fordern, bleiben die Behörden gelassen. So gibt es an den Flughäfen noch keine umfassende Kontrolle der Passagiere entsprechender Flüge. Man habe diese Fluggäste aber schon seit einiger Zeit bei Gepäckkontrollen auf mitgeführtes Geflügelfleisch stärker im Visier, sagen Zollbeamte. Gelassen geben sich auch die Ornithologen. Sie sehen den Mitte Februar zurückkehrenden Zugvögeln ohne Bedenken entgegen. Es drohe so gut wie keine Gefahr, heißt es.

Fußmatten zur Desinfektion der Schuhe von Reisenden aus der Türkei wurden bisher an Berlins Flughäfen nicht angeordnet. Geachtet wird vor allem auf mitgeführte Geflügelprodukte, weil für Geflügel aus der Türkei ein Importverbot gilt. Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, will keine Panik verbreiten. „Aber wenn infiziertes Geflügel nach Deutschland gelangt, haben wir den Erreger vor der Haustür.“ Verschärfte Kontrollen seien angebracht. Stahl verweist auf Länder wie Australien und Neuseeland, wo die Einfuhr von Pflanzen und Tierprodukten rigoros unterbunden wird. „Da kann es passieren, dass Ihnen die Schuhe weggenommen werden, weil Pollen daran kleben“.

Anlässlich des am 10. Februar beginnenden Opferfestes wird wieder ein stärkerer Reiseverkehr zwischen Deutschland und der Türkei erwartet. Die Wahrscheinlichkeit, dass Landsleute versuchen, Geflügelfleisch aus der Türkei einzuführen, hält der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, aber für gering. Alle türkischsprachigen Zeitungen und Sender hätten ihr Publikum vor der Gefahr gewarnt, sagt er.

Nach Angaben von Reiseveranstaltern gibt es keine Stornierungen bei Türkei-Reisen. Die Virus-Gebiete seien weit von den Urlaubszielen entfernt, betont Boris Ogursky von Thomas Cook. Reiseleiter unterrichten die Urlauber zudem über Schutzmaßnahmen.

Vor zurückkehrenden Zugvögeln müssen sich die Berliner und Brandenburger nach Einschätzung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft nicht fürchten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Wildgänse und -enten, Kraniche oder Störche das Virus einschleppen, ist extrem niedrig“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft und Leiter des Institutes für Vogelforschung in Wilhelmshaven, Professor Franz Bairlein. Denn in keinem Überwinterungsgebiet dieser Tiere habe es bisher einen nachgewiesenen Fall von Vogelgrippe gegeben – nicht in Südafrika oder Spanien und auch nicht in den Niederlanden, wohin sich nahezu alle Wildgänse im Winter zurückziehen, bevor sie über Brandenburg zu ihren Brutplätzen nach Sibirien fliegen.

„Unsere Rückkehrer überqueren unterwegs auch keine Vogelgrippegebiete“, sagt Bairlein. Einzige Ausnahme: der Weißstorch. Er nimmt von Südafrika die Route über die Osttürkei, wo zuletzt ein Kind an dem H5N1-Virus starb. Dass sich Störche dort an Federvieh infizieren, hält der Experte für Vogelzug aber für höchst unwahrscheinlich. „Die sind total scheu und meiden Siedlungen.“

Eine neuerliche bundesweite Stallpflicht für Hühner ist aus Sicht des Ornithologen deshalb unnötig, er lehnt sie aber auch nicht ab. Ob das Federvieh zurück in den Stall muss, wenn die Zugvögel kommen, will die Bundesregierung Anfang Februar entscheiden. du-/cs

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